Georg Fahrenschon
Der Herr der Sparkassenfürsten

Der bayrische Ex-Finanzminister Fahrenschon wollte raus aus dem politischen Minenfeld - und landete mitten im Machtkampf der Sparkassenfürsten. Bisher hat der neue Präsident des Sparkassenverbands sich gut geschlagen.
  • 1

Berlin.Für einen Witz ist der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, immer zu haben. Was ist der Unterschied zwischen einem Staatssekretär und einem Minister? Der Staatssekretär fragt seine Mitarbeiter nach dem Weg, der Minister, was er sagen soll.

Der 44-jährige Fahrenschon lacht, nachdem er die Anekdote erzählt hat - kennt er doch beide Jobs aus eigener Erfahrung. Der ehemalige CSU-Ministerpräsident Günther Beckstein holte Fahrenschon 2007 als Staatssekretär ins bayerische Finanzministerium. Nach der Wahl 2008 machte der damals neue bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer Fahrenschon zum Finanzminister des Freistaats - eine Blitzkarriere.

Der Senkrechtstarter wurde schon als potenzieller Nachfolger Seehofers ins Gespräch gebracht, als er sich Ende 2011 nach dreijähriger Ministertätigkeit von der Politik abwandte. „Der Druck, der auf ihm lastete, war schon immens", weiß ein Parteifreund. Heinrich Haasis, der aus Altersgründen keine zweite Amtszeit als Sparkassenpräsident anstrebte, konnte Fahrenschon überreden, sich zu bewerben. Das Nachsehen hatte der mächtige westfälische Sparkassenpräsident Rolf Gerlach, der seine Kandidatur zurückzog.

Das 24-köpfige Wahlgremium stimmte Ende November 2011 mit 18 gegen sechs Stimmen für den Politiker als neuen Sparkassenpräsidenten - ein Affront in der auf Einstimmigkeit gebürsteten Organisationswelt der Sparkassen. Fahrenschon war damit klar, dass er das politische Minenfeld zugunsten des sparkassentypischen Intrigantenstadls aufgegeben hatte.

Rund 100 Tage ist es nun her, dass Fahrenschon die Amtsgeschäfte als DSGV-Präsident übernommen hat. Nicht wenige Sparkassenfürsten hatten bei aller Sympathie für den stets sachorientiert und jugendlich daherkommenden Fahrenschon Zweifel, ob er der Aufgabe gewachsen ist.

Ein Ex-Politiker, mit dem Apparat der zersplitterten Institutsgruppe nicht vertraut, soll die mächtige Sparkassen-Finanzgruppe mit ihren 430 Sparkassen, Landesbanken, Bausparkassen und Versicherern führen? Und das zu einer Zeit, in der in Brüssel mit den neuen Eigenkapitalanforderungen, der Aufsichtsreform und der Einlagensicherung wichtige Pflöcke für die Kreditwirtschaft eingeschlagen werden?

Seite 1:

Der Herr der Sparkassenfürsten

Seite 2:

Das Meisterstück steht erst noch an

Kommentare zu " Georg Fahrenschon: Der Herr der Sparkassenfürsten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie besser schlafen.

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
    müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Ein einzigartiges Betrugssystem.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%