Georg Schaeffler
Bürdenträger ohne Macht

Unternehmersohn Georg Schaeffler verliert zusehends die Kontrolle über sein einstiges Milliardenerbe. Legt der übernommene Zulieferer Conti heute die erwartet schlechten Zahlen vor, steigt der Einfluss von Staat und Banken weiter.

MÜNCHEN/HANNOVER. Den jungen, leicht blassen Mann an der Seite von Maria-Elisabeth Schaeffler beachten nur wenige. Besucht die Unternehmerin in diesen Tagen einen Empfang, blicken fast alle im Saal auf die elegante Österreicherin mit ihrer voluminösen, blondierten Frisur und den edlen Perlenketten. Ein kurzes Raunen geht durch den Raum, wenn sie ihren Platz einnimmt. Maria-Elisabeth Schaeffler ist das Gesicht dieser Krise. Ihr Kampf um das Familienerbe ist einer der spannendsten Krisenfälle in der deutschen Wirtschaft.

Und doch: Der Konzern, der ihren Namen trägt, gehört gar nicht Maria-Elisabeth Schaeffler. Die Witwe des Firmengründers Georg Schaeffler hält nur ein Fünftel der Anteile. Um zu wissen, wem der Rest gehört, lohnt sich ein zweiter Blick auf den jungenhaften Mann mit dem braven Anzug und dem nach rechts gekämmten Scheitel in ihrem Schlepptau: den Sohn Georg Friedrich Wilhelm Schaeffler. Der Unternehmerspross muss fast tatenlos zusehen, wie das gewaltige Vermögen, das er vor knapp 13 Jahren erbte, vor die Hunde geht.

Die Schaeffler-Gruppe steckt in ihrer schwersten Krise. Gestern demonstrierten Mitarbeiter gemeinsam mit Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler vor der Konzernzentrale in Herzogenaurach für Staatshilfen.

Mit der Übernahme des weitaus größeren Konkurrenten Continental hat sich das Familienunternehmen verhoben. Wenn Conti heute den durch eine Milliardenabschreibung auf den eigenen Zukauf VDO und ein grottenschlechtes viertes Quartal erwarteten Bilanzverlust für 2008 vorlegt, wird sich erneut erweisen, welch tragisches Timing Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg hatten. Die industrielle Logik des Zusammenschlusses besticht zwar heute noch. Doch die Finanzierung zerbröselt angesichts von Kreditkrise und Autorezession.

Georg – der zur Herzogenauracher Welt auf Distanz gegangen war und als Wirtschaftsanwalt in den USA lebt – beriet seine Mutter beim Übernahmeversuch und beim anschließenden Machtkampf. Lange wollten sie nicht wahrhaben, dass sich das Blatt gegen sie wendete.

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