Georg Thaller, Fissler
Der Dornröschenerwecker

Ebenso behutsam wie erfolgreich modernisiert Georg Thaller den Töpfehersteller Fissler. Mit exklusivem Kochgeschirr begeistert das Unternehmen mittlerweile auch anspruchsvollste Kunden. Mit Erfolg: Die Traditionsmarke verkauft bald mehr in Asien als in Deutschland.

FRANKFURT. Der Cop, der den teuersten Kochtopf der Welt bewacht, trägt goldverspiegelte Sonnenbrille und goldenen Schlagstock zur goldenen Uniform. In null Komma nichts stehen gut 100 Passanten vor dem Schaufenster von Karstadt auf der Zeil in Frankfurt, als er seinen Dienst antritt. 739 Gramm Gold und 270 Diamanten verzieren die Pretiose in seiner Obhut. Mal wienert er das gute Stück, mal droht er allzu neugierigen Fans mit dem Zeigefinger. Was für eine Show.

„Das mit dem ,Cop’ ist sehr gut“, sagt Georg Thaller und federt zwischen Schaufenster und Schaulustigen hin und her. „Es muss etwas passieren, damit es nicht langweilig wird.“ Der Edeltopf stammt von Fissler, und erdacht hat ihn der Chef persönlich. „Ich habe vor einiger Zeit im Radio gehört, dass Stars wie David Beckham an ihren Autos Felgen mit Diamanten haben. Da habe ich mir gedacht, so was kann Fissler doch auch.“ Schließlich stammt Fissler ja auch aus der Edelsteinmetropole Idar-Oberstein. Gesagt, getan.

Pfiffig, aber behutsam schiebt Thaller die Marke in die Zukunft, seit er vor fünf Jahren die Geschäftsführung übernahm. Er modernisierte die etwas großmütterliche Produktpalette und internationalisierte die Traditionsmarke mit so großem Erfolg, dass der Umsatz in Asien in diesem Jahr den in Deutschland übersteigen dürfte. Auf der „Ambiente“ – mit 4 600 Ausstellern die größte Konsumgütermesse der Welt, die heute schließt – gehört die Marke Fissler auch ohne diamantenbesetzte Töpfe zu den Stars.

Innerhalb von fünf Jahren hat Thaller den Umsatz von 112 Millionen Euro auf 152 Millionen Euro getrieben. „Das vergangene Geschäftsjahr war das erfolgreichste der Firmengeschichte“, sagt Thaller – und das will etwas heißen in 163 Jahren. Gegründet bereits 1845, schrieben die Fisslers mit Erfindungen wie der Gulaschkanone (1892), dem Schnellkochtopf (1953) und Topfgriffen, die nicht mehr heiß werden (1983), Koch-Geschichte.

Doch in den 90er-Jahren war der graue Geist des Linoleums, der viele Gänge am Firmensitz am Idarbach auf ewig zu versiegeln scheint, etwas zu mächtig geworden. Die Eigentümerfamilie Fissler, die bis heute 100 Prozent der Firmenanteile hält, suchte einen sanften Geisteraustreiber – und fand ihn in Georg Thaller.

Der hatte gerade seinen Job bei Melitta selbst abgeschafft. Thaller prüfte ein neues Geschäftsfeld: Gäbe er grünes Licht, hätte er sich selbst einen Geschäftsführerposten schaffen können, erzählt sein damaliger Kollege Peter Weichert. Thaller analysierte – und riet seinem Arbeitgeber ab: nicht lukrativ. Und verstellte sich so seinen eigenen Aufstieg.

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