Georg Weisschädel ist Chef von Veronis Suhler
Die Revolution der Gelben Seiten

Eine „Abfertigung“ bekommt Georg Weisschädel. So nennt Österreich die staatlich garantierte Abfindung für gekündigte Mitarbeiter. Dass Weisschädel sie aber erhält, ist ein ziemlich komischer Vorgang: Eigentlich hat er als Vorstandsvorsitzender sein Unternehmen selbst verkauft, sich selbst gekündigt – und dafür eine Prämie erhalten, die er nicht verrät, die aber bei zehn Millionen Euro liegen dürfte.

HB FRANKFURT. Klingt nach Raffke, ist aber eher bescheiden, wenn man bedenkt, dass seine Geldgeber ihren Kapitaleinsatz von 300 Millionen Euro dank Weisschädel gerade vervierfacht haben – und das mit den scheinbar doch überholten Branchen-Telefonbüchern.

Im Hauptberuf ist Weisschädel Managing Director bei Veronis Suhler Stevenson (VSS), einer Investmentbank, die nebenbei Private-Equity-Fonds auflegt. VSS arbeitet ausschließlich im Medienbereich: Zeitschriften wie „Fast Forward“, Radiostationen, Kabelgesellschaften, Fachverlagen oder Filmstudios. Und eben Telefonbüchern.

Der 53-Jährige brachte die Idee ein mit den Gelben Seiten, einem Geschäft, das er als Geschäftsbereichsleiter bei der Telekom gelernt hat: profitabel, alt, wenig sexy und vom Internet bedroht. Nach dem UMTS-Desaster versuchten viele der deregulierten und finanziell ausgebluteten Telekom-Konzerne in Europa, diese langweilige Randaktivität zu versilbern. Für eine Milliarde Euro kaufte Weisschädel mit Geld von VSS und dem Partner 3i billig Gelbe Seiten quer durch Europa ein. Nur in Deutschland war der Markt blockiert durch 113 Kleinverlage, Frankreich durch die quasi-staatliche France Télécom, in Italien war BC Partners schneller.

Nach der Einkaufsrunde begann, was Weisschädel als Kernaufgabe eines Equity-Fonds beschreibt: „Märkte strukturieren, konsolidieren, optimieren“. Die finnischen Telefonbücher erwiesen sich als avantgardistisch: zu den bedruckten Seiten eine Telefonauskunft im Internet, Call-Center, Auskunft-Services, eine lokale Internet-Suchmaschine. Konsequent wird dieses neue Geschäftsmodell auf die anderen Länder übertragen. Und: Die Manager werden Teilhaber durch Einlagen in Höhe von mindestens einem Jahresgehalt. „Misserfolg muss wehtun“, nennt das Weisschädel.

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