George Buckley führt den US-Konzern 3M
Vom Zeitungsboten zum Konzernchef

Der US-Konsumgüterkonzern 3M („Scotch“, „Post-it“) hat George Buckley zu seinem neuen Chef ernannt. Der 58-Jährige kommt von der Brunswick Corp., einem der größten Bootshersteller der Welt.

HB NEW YORK. Buckley löst Robert Morrison ab, der 3M seit Juli vorübergehend geführt hatte. Vorausgegangen war der Wechsel des ehemaligen Konzernchefs James McNerney an die Spitze des US-Flugzeugbauers Boeing.

Für den gebürtigen Briten Buckley ist der Wechsel der vorläufige Höhepunkt eines märchenhaften Aufstiegs vom Zeitungsboten in der englischen Stahlstadt Sheffield zum Top-Manager eines internationalen Konzerns mit einem Jahresumsatz von 20 Milliarden Dollar und weltweit 69 000 Mitarbeitern.

„Ich war ziemlich arm und hing fest am unteren Ende der sozialen Leiter“, sagte Buckley kürzlich in einem Interview mit der Zeitung „Chicago Tribune“. Der Sohn eines Stahlarbeiters kannte seinen Vater kaum und wurde von seiner älteren Schwester und seiner Großmutter aufgezogen. Die Männer des Gasthauses seiner Großeltern missbrauchten den Jungen regelmäßig. Vier seiner sechs Geschwister starben während der Kindheit.

Behindert durch mehrere schwere Krankheiten und ein körperliches Leiden kämpfte sich Buckley Stück für Stück nach oben. Nach der Ausbildung zum Elektriker besucht er die Abendschule und bringt es schließlich bis zum Elektroingenieur. Seine Management-Karriere startet der Vater von sieben Kindern bei Detroit Edison bevor er später über British Rail zu Emerson Electric kommt. 1997 wechselt er zu Brunswick und übernimmt dort drei Jahre später die Führung.

„Buckley integrierte die verschiedenen Bootsmarken, so dass Entwicklung, Herstellung und Marketing vereinheitlicht werden konnten“, sagte Bryan Rayle, Analyst bei FTN Midwest Research in Cleveland der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Bei 3M erwartet George Buckley die Aufgabe, den Mischkonzern trotz steigender Rohstoffkosten auf den Wachstumspfad zurückzuführen. Der Börsenkurs ist in diesem Jahr um mehr als fünf Prozent abgesackt. Die Aktie reagierte gestern mit einem leichten Zuschlag auf die Spitzenpersonalie.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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