Georgsmarienhütte
Das Wunder von Osnabrück

1993 erstand Jürgen Großmann ein marodes Stahlunternehmen in der Nähe von Osnabrück. Das ehemalige Vorstandsmitglied des Duisburger Klöckner-Konzerns hauchte dem Werk neues Leben ein. Mittlerweile zählt die Georgsmarienhütte zu den führenden europäischen Anbietern für Qualitäts- und Edelbaustahl.

DÜSSELDORF. Die Antwort kommt ohne zu zögern: "Natürlich würde ich es alles noch einmal ganz genauso machen", sagt Jürgen Großmann. Dabei hatte ihn ein befreundeter angelsächsischer Investmentbanker gewarnt: "Never love your business", sagte der - frei übersetzt: Verlieb? Dich nie in die eigene Firma! Doch genau das war Großmann passiert.

Er schlug im Februar 1993 diesen Ratschlag in den Wind, gab seinen Vorstandsposten beim Duisburger Klöckner-Konzern auf und kaufte seinem Arbeitgeber ein heruntergewirtschaftetes Stahlunternehmen ab. 13 Jahre später steht fest: Ohne seinen Mut und die Umwandlung in ein inhabergeführtes Familienunternehmen gäbe es das im internationalen Vergleich kleine Stahlwerk Georgsmarienhütte in der Nähe von Osnabrück längst nicht mehr.

Die ländliche Region am Rande des Teutoburger Waldes hätte 1993 einen ihrer größten industriellen Arbeitgeber eingebüßt, 1 600 Menschen im Stahlwerk und mindestens noch einmal so viele Beschäftigte in den umliegenden Zulieferbetrieben hätten damals die Existenzgrundlage für sich und ihre Familien verloren. Doch Großmann erkannte die Chance, die das Insolvenzverfahren bot und hauchte dem maroden Stahlwerk neues Leben ein.

Heute zählt die Georgsmarienhütte zu den führenden europäischen Anbietern für Qualitäts- und Edelbaustahl und erzielt 70 Prozent des Umsatzes von 340 Millionen Euro mit der Automobilindustrie. Das Unternehmen ist Herzstück der gleichnamigen Gruppe, die inzwischen 44 Unternehmen in Deutschland und in Österreich umfasst. 2005 erzielte die Gruppe mit 8 000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 1,7 Milliarden Euro.

Eines der Erfolgsrezepte Großmanns war und ist die Mitarbeiterführung. Er verknüpft den wirtschaftlichen Erfolg eng mit denjenigen, die den Kern des Unternehmens ausmachen. Sein Credo: "Je mehr Menschen mit Leib und Seele am Wohlergehen unseres Unternehmens interessiert sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit seines gesunden Überlebens."

Großmann zahlt nicht nur die höchsten Löhne in der deutschen Stahlindustrie. Er beteiligt die Mitarbeiter seit 1995 auch am wirtschaftlichen Erfolg - was für ein mittelständisches Unternehmen nicht selbstverständlich ist. Zehn Prozent vom Nettogewinn eines Jahres gehen an die Belegschaft. 2005 bekam jeder Arbeiter und Angestellte 4 000 Euro Gewinnbeteiligung. Die Sonderzahlung fiel damit dreimal so hoch aus wie beim größten deutschen Stahlhersteller Thyssen-Krupp.

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