Geplatzte Fusionen
Unberechenbare Märkte vereiteln Firmenübernahmen

Viele Zusammenschlüsse stehen auf der Kippe oder scheitern, weil die Märkte unberechenbar geworden sind. Auch die Kartellbehörden vereiteln immer mehr Deals.
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FrankfurtAsien darf ruhig früher aufstehen", gibt der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, in großen Anzeigen zum Besten. Für die neun Milliarden Euro schwere Megafusion von Deutscher Börse und New York Stock Exchange kämpft er genauso wie der Frankfurter Direktor des Theaters Tiger Palast, Johnny Klinke, und der Basketball-Spieler Pascal Roller. Doch Rollers "Dream-Team" droht zu scheitern.

Zwar versuchen die beiden Unternehmen in einer großen Anzeigenkampagne zu retten, was zu retten ist, aber irgendwie erscheint das eher als eine Verzweiflungstat denn eine ausgeklügelte Strategie. Selbst nach erneuten Zugeständnissen der Börsen an die EU-Kartellbehörden schätzt etwa Finanzexperte Philipp Häßler vom Analysehaus Equinet "die Chancen auf 50 zu 50, dass die Fusion am Ende durchgeht".

Falls der Zusammenschluss scheitern sollte, befänden sich die Deutsche Börse und die New York Stock Exchange in bester Gesellschaft. Viele Unternehmen schafften es in diesem Jahr nicht, geplante Fusionen am Ende auch erfolgreich umzusetzen. Weltweit wurden in diesem Jahr bislang bereits angekündigte Deals über 296,8 Milliarden Euro wieder zurückgezogen, wie der Finanzdatenanbieter Dealogic für das Handelsblatt errechnet hat.

Selbst in Deutschland sind es immer noch Fusionen über 2,4 Milliarden Euro, die abrupt abgebrochen wurden. Dazu zählen Siemens Hörgeräte, die der Elektrokonzern Siemens verkaufen wollte und bereits im Januar absagte genauso wie zwölf weitere Deals. Volumen im Fall Siemens laut Dealogic: zwei Milliarden Euro. Insbesondere die Zahl der weltweit geplatzten Transaktionen befindet sich mit 1039 auf einem sehr hohen Niveau. In normalen Zeiten wie 2005 und 2006 war es gerade einmal die Hälfte.

Der größte bislang gestrichene Deal in Europa in diesem Jahr ist das vom Medienkonzern News Corp zurückgezogene Übernahmeangebot für British Sky Broadcasting, das gut elf Milliarden Euro schwer war. Rupert Murdoch, Chef von News Corp, wollte den Pay-TV-Anbieter BSkyB vollständig übernehmen, zog aber wegen des Politiker-Abhörskandals der Boulevardzeitungstochter in Großbritannien die Offerte wieder zurück.

Das trifft die Berater in den Banken hart: Nach Berechnungen des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters hätten in diesem Fall fünf Investmentbanken einschließlich der Deutschen Bank bei Abschluss der Transaktion 90 Millionen Dollar verdient. Stattdessen mussten sie sich offenbar mit etwa zehn Prozent der Summe begnügen.

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  • Die Sachlage zur DB/NYSE Fusion ist einfacher:
    Die Franzosen, ein staatsgelenktes Wirtschaftssystem, verhindern das erfolgreich durch ihre Vasallen Brüssel.
    Wie naiv muss man den sein dass nicht zu sehen...

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