Gerangel um Schulz-Nachfolge
Dreikampf bei Thyssen-Krupp

Im Vorstand von Thyssen-Krupp gibt es Bewegung. Gleich für drei Top-Manager steht die Verlängerung ihrer Verträge an. Und alle drei gelten als potenzielle Nachfolger des Konzernchefs Ekkehard Schulz. „Das ist das reinste Windhundrennen“, sagt ein Personalberater.

DÜSSELDORF. Zwar läuft der Vertrag von Schulz noch bis Ende Januar 2009. Doch er ist schon 65, und bei Thyssen-Krupp gilt für Neubestellungen von Vorständen eine Altersgrenze von 60 Jahren. Weder das Unternehmen noch die Vorstände wollen sich zu dem Thema äußern. Nach Informationen des Handelsblatts hat einer der Kandidaten aber bereits einen neuen Fünfjahresvertrag erhalten: Olaf Berlien.

Dabei gilt der 43-Jährige unter den drei Kronprinzen von Schulz als derjenige mit den wenigsten Ambitionen. Berlien kam im April 2002 von Carl Zeiss nach Düsseldorf. Bei Thyssen-Krupp ist er zuständig für das Industriegeschäft. Zu seinen Leistungen zählt es, mehr als 125 Firmen aus dem Portfolio des Riesenkonzerns verkauft zu haben. Vor dem Schritt nach ganz oben aber scheut Berlien offenbar zurück. Vertraute berichten, ihm gefalle sein jetziger Job so gut, dass er in dieser Rolle glücklicher sei als mit einer Chefposition, in der er viel Zeit ins Repräsentieren investieren müsste.

Anders Stefan Kirsten, 45. Übereinstimmend berichten interne und externe Thyssen-Krupp-Kenner, dass der Finanzvorstand aus seinen Aufstiegsplänen kein Geheimnis macht. Er kam 2002 von der Metro AG. Sein Vertrag bei Thyssen-Krupp läuft bis zum 31. Juli 2007 und steht demnächst zur Verlängerung an.

Intern allerdings werden seine Chancen gering eingeschätzt. Kirsten hat für den Konzern als Spezialist für schwierige Fälle zwar viel geleistet, sich mit seiner kompromisslosen Sanierungsarbeit aber auch einige Feinde gemacht. Zudem stört manchen sein Hintergrund. „Kirsten hatte schon 2002 ganz große Ambitionen“, sagt ein Thyssen-Manager. „Aber er müsste eigentlich wissen, dass bei Thyssen niemals ein Finanzer auf den Chefsessel kommt.“

Bleibt Edwin Eichler, 48. Sein Vertrag läuft noch bis Ende September 2007. Sein Bereich Services ist mit 12,5 Milliarden Jahresumsatz der größte im Konzern. Und er hat das Ergebnis seit seinem Antritt 2002 von 124 auf 380 Millionen Euro mehr als verdreifacht – bei einem Umsatzplus von nur zehn Prozent. „Der Mann hat seine Hausaufgaben gemacht und sich im Vergleich zu Kirsten vornehm zurückgehalten, wenn es um Ansprüche ging“, sagt ein Manager, der beide kennt. „Wenn ich auf einen der drei wetten müsste, würde ich auf Eichler setzen.“

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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