Gérard Cordonnier
Contis Zahlendreher

Gérard Cordonnier steigt kommissarisch zum Finanzchef des Autozulieferers auf - zu beneiden ist er um den Job nicht

HAMBURG. Wie viel Grund zum Feiern der gebürtige Belgier Gérard Cordonnier derzeit hat, ist trotz seines Aufstieges zum Finanzchef des MDax-Konzerns Continental fraglich. Demnächst begeht der Betriebswirt und Jurist zwar sein 30-jähriges Firmenjubiläum. Doch selbst in der bewegten Geschichte des niedersächsischen Autozulieferers und Reifenproduzenten startete kein Jahr so turbulent wie dieses. In der Zentrale in Hannover-Vahrenwald wächst die Verunsicherung Woche für Woche: Kaum schien der erbitterte Streit mit dem neuen Großaktionär Schaeffler um die Macht am Wochenende endlich beigelegt, zeigt sich, wie dünn die Kapitaldecke des fränkischen Familienunternehmens ist - ohne Hilfe des Staats ist ein Happy End kaum mehr möglich.

Den Schock über die feindliche Übernahme steigerte im Spätsommer 2008 der Abgang des nicht von allen geliebten, aber weithin respektierten Vorstandschefs Manfred Wennemer. Darauf folgte der Wettlauf um den Chefsessel zwischen Technikvorstand Karl-Thomas Neumann und Finanzchef Alan Hippe. Neumann gewann - Hippe wechselt Ende Februar in gleicher Funktion zum Stahlkonzern Thyssen-Krupp.

Dann wird Cordonnier Contis neuer Zahlenmann, teilte die Personalabteilung den Mitarbeitern gestern per Mail mit. Zu beneiden ist der 52-Jährige um den Job nicht: Die Niedersachsen stecken bis zum Hals in Schulden, die Kreditwürdigkeit ist im Keller. Großaktionär Schaeffler geht es nicht besser.

Vielleicht ist das Sprachtalent - neben Französisch und Deutsch spricht der bekennende Europäer Englisch und Niederländisch - am Ende sogar froh, vorerst nur kommissarisch verantwortlich zu sein. Die Suche nach einem externen Manager laufe jedenfalls weiter, heißt es in Hannover.

Sollte Cordonnier sich bewähren, könnte er Finanzchef bleiben. In jedem Fall behält er sein Büro in Regensburg und kümmert sich weiter um die Finanzen der Sparte Interior. Schnell werde Conti auch den neuen Chef für die Reifensparte bekanntgeben, hieß es gestern.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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