Gerard Kleisterlee
Stiller Revoluzzer

Gerard Kleisterlee galt bislang als Vorzeigemanager. Doch jetzt gerät er in Schwierigkeiten, weil das Geschäft mit der Medizintechnik schlecht läuft.

BRÜSSEL. Gerard Kleisterlee ist eher ein Mann der leisen Töne. Bei den vierteljährlichen Quartals-Pressekonferenzen in Amsterdam überlässt der Mann mit dem korrekten Seitenscheitel lieber seinem Finanzchef Pierre-Jean Sivignon den Vortritt. Kleisterlee taucht nur dann in der Öffentlichkeit auf, wenn es um die Zukunftsstrategien, das große Ganze geht.

„Diese Aufteilung hat bei Philips Tradition. Kleisterlee ist kein Vorstandschef, der überall mitreden will, der jede Kleinigkeit ausdiskutieren muss“, sagt Philipp de Graaf vom Amsterdamer Bankhaus Petercam. Das bestätigen auch Philips-Mitarbeiter. „Wenn es gut läuft, dann mischt er sich nicht ein“, sagt Andrea Ragnetti, der mit Kleisterlee im Vorstand sitzt.

Aber jetzt läuft es schlecht, und da ist es mit seiner Zurückhaltung vorbei. Europas größter Konsumelektronikhersteller spürt die heraufziehende Wirtschaftskrise. Und Kleisterlee zögert nicht lange, sondern greift durch: Er baut Arbeitsplätze ab, senkt Kosten und stoppt das laufende Aktienrückkaufprogramm.

Das bislang makellose Image des Erfolgsmanagers bekommt Kratzer. Ein Mann, den das US-Magazin Fortune noch 2006 zum „Europäischen Geschäftsmann des Jahres“ kürte. Und den Analysten lobten, weil er den Konzern radikal umgebaut und auf Erfolg getrimmt hat.

Als Kleisterlee im Jahr 2001 den Chefposten bei Philips von seinem Vorgänger Cor Boonstra übernahm, waren viele im Konzern überrascht. Ihn hatte niemand auf der Kandidatenliste gehabt.

Kleisterlee ist zwar ein Philips-Mann durch und durch. Sein Vater hat schon beim Elektronikkonzern sein Geld verdient. Und der Junior kommt gleich nach dem Abschluss seines Ingenieurstudiums an der Technischen Universität Eindhoven 1974 zu Philips. Doch bis zu seiner Ernennung zum Chef bleibt er im Konzern weitgehend unscheinbar. „Niemand kennt Kleisterlee“, titeln dann auch die holländischen Zeitungen, als er im Jahr 2001 antritt.

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