Gérard Mestrallet bringt Suez im Stromgeschäft voran
Keine Angst vorAutodieben

Gérard Mestrallet, Chefs der französischen Versorgers Suez Chefs, hat mit der Vollübernahme des belgischen Stromriesen Electrabel sein Unternehmen spektakulär weiter vorangebracht. Analysten überschlagen sich mit Lob über den Zukauf.

PARIS. Gérard Mestrallet bleibt unaufgeregt, wie immer. Die Stimme des Chefs der französischen Versorgers Suez Chefs hebt sich kaum, als er am Dienstag vor Journalisten und Analysten die Vorzüge der Vollübernahme des belgischen Stromriesen Electrabel erklärt. Mit der elf Milliarden Euro schweren Operation schafft Suez „einen starken europäischen Pol im Stromgeschäft“, murmelt der 56-Jährige ins Mikrofon.

Selbstdarstellung ist wahrlich nicht die Sache des Gérard Mestrallet. Ist auch gar nicht nötig: Analysten überschlagen sich auch so mit Lob über den Zukauf.

Graues Haar, zum Seitenscheitel gekämmt, randlose Brille, sportliche Figur. Mit seinem Wesen scheint der Suez-Chef perfekt zu einem Versorger-Unternehmen zu passen. Denn diese haben bei Anlegern ein defensives Image. Doch tatsächlich ist Mestrallet eine Kämpfer-Natur: Er hat die Wirren des Börsenhypes Ende der 90er bis Anfang 2002 mit einem aggressiven Wachstumskurs mitgemacht – und hat sie als Unternehmenschef überlebt.

Darin und in seinem zurückhaltenden Wesen unterscheidet er sich zum Beispiel von Jean-Marie Messier, den charismatischen Ex-Chef von Vivendi Universal, der aus einem Wasser-Versorger einen integrierten Medien- und Telekom-Konzern formen wollte, aber scheiterte. Abgesehen von einem Kurzausflug in die Medienwelt blieb Mestrallet dem Versorger-Geschäft treu.

Unspektakulär wie sein Auftreten ist auch sein Werdegang: Abschluss der Eliteschule Polytechnique, anschließend Verwaltungshochschule ENA und Mitarbeit in einem Ministerkabinett – Schema F für französische Top-Manager. Als Mestrallet 1995 Chef der Finanzgruppe Suez wird, die zwei Jahre später mit dem Wasserversorger Lyonnaise des Eaux fusioniert, setzt auch der Mann, der als sehr seriös und vorsichtig gilt, auf Wachstum durch Zukäufe. Sein Ziel: Die Kern-Sparten Wasser und Energie ausbauen. Suez übernimmt vollständig die Société Générale de Belgique, die Mutter des Versorger Tractebel und kauft den Entsorger Sita.

Die Rechnung fällt gesalzen aus: Ende 2002 hat Suez 26 Milliarden Euro Schulden. Großaktionär Albert Frère wird sehr nervös, denn der Aktienkurs hat sich im Laufe des Jahres halbiert. Viele Beobachter halten es damals nur noch für eine Frage der Zeit, bis Krimi-Fan Mestrallet seinen Job verlieren und damit mehr Zeit für die Lektüre seines Lieblingsautors, Georges Simenon (Kommissar Maigret), haben wird.

Doch statt seinen Schreibtisch räumt Mestrallet im Konzern auf. Binnen eines Jahres verkauft er die Wasser-Töchter Nalco und Northumbrian und Medienbeteiligungen wie die Kabeltochter Noos und die Aktien von M6. Die Rosskur des passionierten Reiters hat sich gelohnt. Heute kann er wieder angreifen.

Dass Mestrallet eine Kämpfernatur ist, mussten vor einigen Jahren auch zwei Autodiebe erfahren: Sie wollten ihm die Schlüssel seines Firmenwagens abnehmen. Der Suez-Chef vertrieb die Diebe mit Schlägen – und behielt den Wagen.

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