Gérard Mestrallet
Diskreter Kämpfer

Gérard Mestrallet hat nach zwei Jahren endlich sein Ziel erreicht: Die Fusion von Suez und Gaz de France ist unter Dach und Fach.

PARIS. Wenn Gérard Mestrallet etwas zu feiner hat, dann greift der Chef des Versorgers Suez gerne zu einem blonden Hoegaarden. Die Vorliebe für das belgische Bier hat sich der 59-Jährige aus seiner Zeit bewahrt, als er Anfang der 90er-Jahre den belgischen Mischkonzern Société Générale de Belgique leitete. Gestern hatte Mestrallet allen Grund, sich sein Lieblingsbier zu gönnen: Nach über zwei Jahren Hickhack haben die Verwaltungsräte von Suez und Gaz de France endgültig die geplante Fusion gebilligt.

Damit entsteht ein neuer Energieriese mit einer Marktkapitalisierung von rund 90 Milliarden Euro - und Gérard Mestrallet an der Spitze. Mit Ruhe und Ausdauer hat der passionierte Springreiter zahlreiche Hindernisse auf den Weg zum Mega-Merger überwunden: den Widerstand der Gewerkschaften, die Auflagen der EU-Kommission und das Zaudern von Staatschef Nicolas Sarkozy.

Um Frankreichs umtriebigen Präsidenten von dem Fusionsprojekt zu überzeugen, das sein Intimfeind Ex-Premierminister Dominique de Villepin 2006 eingefädelt hatte, musste indes auch Mestrallet Federn lassen. Denn im Zuge des Mega-Mergers wird das Wasser- und Umweltgeschäft von Suez abgespalten, um den Unternehmenswert von Suez zu senken. Das wollte der bescheiden auftretende Topmanager eigentlich verhindern. "Das Umweltgeschäft ist integraler Bestandteil der Gruppe", betonte er stets.

Doch diese Schlappe ist Schnee von gestern. Der diskrete Mestrallet, der in über zehn Jahren an der Spitze aus dem Gemischtwarenladen Suez einen Energie- und Wasserversorger formte, peilt jetzt ganz undiskret seinen neuen Gegner an: Und der heißt EDF.

Um Frankreichs Stromgiganten Paroli zu bieten, will GDF-Suez seine Produktionskapaziät von derzeit 6 000 auf 10 000 Megawatt ausbauen - dazu will Mestrallet am liebsten auch neue Atomkraftwerke bauen.

Hauptsache EDF schaut in die Röhre. So verkaufte Suez seine belgische Gastochter Distrigaz an den italienischen Enel-Konzern; EDF ging leer aus. Darüber soll EDF-Chef Pierre Gadonneix vor Wut getobt haben, heißt es in Paris. Und Mestrallet langt diese Woche noch einmal zu. Suez ergatterte vor EDF eine strategische Beteiligung am neuen Atom-Brennelemente-Werk Arevas, um sich so den Zugang zu Uranbrennstäben zu sichern.

Spätestens damit sind alle Zweifel ausgeräumt, dass es Mestrallet an Entschlossenheit mangeln könnte, jetzt den Kampf um die Führung des Energiemarktes aufzunehmen.

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