Gerechter Lohn
So entsteht das Millionengehalt eines Topmanagers

Wieviel Gehalt ist angemessen? Warum verdient ein Sanitäter so viel weniger als ein Manager, obwohl Menschenleben von ihm abhängen? Handelsblatt-Online-Leser diskutierten, Vergütungsexperte Michael Bursee gibt Antworten.
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DüsseldorfVor zwei Wochen verteidigte ein Manager an dieser Stelle sein hohes Gehalt und sorgte für ein Aufflammen der Gerechtigkeitsdebatte. Auch die Gegenforderung „Warum ich mehr verdienen sollte!“ verbreitete sich wie ein Lauffeuer und war für uns Anlass, noch mal genauer hinzuschauen, wie eigentlich ein Millionengehalt entsteht. Da kennt sich Michael Bursee aus, Partner bei der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (ehemals Ernst & Young). Internationalen Konzernen steht der Vergütungsexperte ebenso zur Seite wie mittelständischen Unternehmen, wenn es um die Bezahlung von Chefs und Führungskräften geht.

Herr Bursee, Topmanager verdienen heute in der Wirtschaft kleine Vermögen. Einer davon erklärte uns kürzlich anonym, warum er so viel Geld verdient: Je höher die Verantwortung, desto höher das Einkommen. Lassen sich damit wirklich Millionengehälter rechtfertigen?

Die hohe Verantwortung in einem Beruf ist ein Argument in der Begründung von Gehältern, auch wenn sich damit gerade ein sehr hoher Lohn nicht ausschließlich rechtfertigen lässt. Das liegt aber auch daran, dass sich Verantwortung in einzelnen Berufen nur schwer vergleichen lässt. Andere Aspekte, die bei der Einkommenshöhe eine Rolle spielen können, sind zum Beispiel die Qualifikation oder relative „Knappheit“ am Arbeitsmarkt.

Was würden Sie einem Rettungsassistenten sagen, der nur einen Bruchteil davon verdient, aber Verantwortung für Menschenleben statt „nur“ für Milliardenprojekte trägt?

Im Gesundheits- und Pflegebereich sind die Berufe immer dadurch gekennzeichnet, dass jemand direkt für Menschenleben verantwortlich ist und er damit natürlich einen sehr wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leistet. Gerade dort werden jedoch vergleichsweise geringe Gehälter gezahlt. Sicherlich ein Thema, das vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und der damit verbundenen Bedeutung dieser Berufsgruppen hinterfragt werden sollte. Auf der anderen Seite sind viele Manager oftmals für die Arbeitsplätze von Tausenden Mitarbeitern verantwortlich. Auch wenn hier der direkte Bezug vielleicht weniger deutlich ist als bei einem Rettungsassistenten. Allerdings greift der Versuch, daraus allgemeingültige Relationen für noch vertretbare Abstände in der Vergütung ableiten zu wollen, zu kurz. Ganz unabhängig davon, wie das Maß an Verantwortung dieser beiden Berufe jeweils bewertet wird.

Oft werden Angebot und Nachfrage herangezogen, wenn es um die Lohnkluft zwischen Managern und „normalen“ Mitarbeitern geht. Sind gewisse Manager rar, ist die Lohntüte üppig. Kann der Job von vielen anderen Menschen gemacht werden, fällt das Gehalt entsprechend niedriger aus. Kann das eine faire Argumentation sein und wer beurteilt überhaupt, was ein guter Manager ist?

Managergehälter ergeben sich schon über einen Marktpreisbildungsprozess. Wenn große, börsennotierte Gesellschaften heute beispielsweise nach einem Nachfolger für den CEO suchen, dann ist die Auswahl potenzieller Kandidaten in der Regel sehr begrenzt und diejenigen, die in Frage kommen, wissen inzwischen dank der geschaffenen Transparenz in der Managementvergütung ziemlich genau, was sie verlangen können. Dann ist letztlich auch nicht relevant, ob es sich bei der Betrachtung von Angebot und Nachfrage um eine „faire“ Argumentation handelt. Das sind in diesem Augenblick die Gegebenheiten, denen sich die Unternehmen gegenübersehen. Der Aufsichtsrat muss abwägen, ob er die Gehaltsforderungen seines Idealkandidaten erfüllen will oder nach einer „günstigeren“ Lösung sucht. Häufig ist in der Praxis Ersteres der Fall.

Wie entsteht eigentlich das Gehalt eines Topmanagers?

In Aktiengesellschaften trägt der Aufsichtsrat die Verantwortung für das, was dem Chef am Ende überwiesen wird. Hierfür ist mittlerweile das Gesamtgremium zuständig, das sich in mitbestimmten Gesellschaften aus Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite zusammensetzt. Die Zeiten, in denen Gehälter in Ausschüssen beschlossen wurden, gehören der Vergangenheit an. Die Festsetzung der Vergütung ergibt sich dann über Verhandlungen mit dem Manager, wobei der Aufsichtsrat auf die Angemessenheit achten muss. Außerdem darf die übliche Vergütung nicht ohne besondere Gründe überschritten werden. Seit einigen Jahren muss der Aufsichtsrat auch das interne Verhältnis zwischen der Führungsebene und den nachfolgenden Ebenen im Unternehmen berücksichtigen. Starre gesetzliche Obergrenzen in absoluter oder relativer Höhe, wie dies in der öffentlichen Diskussion immer wieder gefordert wird, existieren jedoch nicht.

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„Die Manager müssen sich zunehmend auch beweisen“

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  • Ich sehe es so:

    Nur weil die Masse der Arbeitnehmer für zu wenig Geld arbeitet können überhaupt ganz oben Millionengehälter realisiert werden. Ich habe nichts dagegen einzuwenden, wenn sich ein CEO 5 Mio pro Jahr genehmigt, wenn der Lagerarbeiter und die Putzfrau jährlich mindestens 60.000 Euro verdienen. Nur dann macht ein Chef wirklich hervorragende Arbeit, die ein Spitzengehalt rechtfertigt.

    Aber nein, ein guter Manager ist man ja dann, wenn man alle Mitarbeiter in steter Existenzangst hält und selbst das schöne Luxusleben vorlebt.

  • Und als Hausaufgabe dient dann für den Herrn der die Gehälter verdient folgendes

    Definitionsunterschiede von Kommunismus und Kapitalismus
    zur Begrifflichkeit
    holistischer/dialektischer Materialismus zu scholastisch/mechanistischem Materialismus.

    Und damit wäre der Roland Berger oder Mc Kinsey oder Ernest Young Yuppie schon gänzlichst überfordert. Denn dazu müsste man ja querdenken im Sinne vom Modell des Karl Heinz Schubäus

  • Das jährliche Einkommen von Ackermann bei der Deutschen Bank lag in der Größenordnung von 14 Mio €. Was für einen Laden hat dieser Mann hinterlassen? In einem TV-Gespräch bei Jauch erklärte er das gesamte Einkommensvolumen der "Topmanager" mit dem begrenzten Angebot an qualifizierten Führungskräften. Man muss ja nicht Kommunist sein, um sich da Fragen nach dem Ausleseprozess zu stellen. Bei der vom Staat mit Milliarden geretteten Commerzbank beschwerte sich der VV über ein Einkommen von 500.000,00 €. Der hätte gefeuert gehört. Ich stelle mal eine kühne Behauptung auf: für 500.000 € / Jahr fänden sich genügend sehr gute und besonders anständige Manager für die gesamte deutsche Wirtschaft. Die heutige Situation beruht auf Kastendenken, die bestätigen sich nur noch selbst. Man muss sich nur die Geschichte mit Karstadt ansehen, dann versteht man welche Charaktere auf diesen Etagen zu Hause sind. Kein Neid! Aber man muss den Unterschied schon noch erklären können. Veilleicht war der Faktor 25 zu klein, aber eine gewisse Relation sollte schon noch gewahrt bleiben zwischen unten und oben. Alleine schon damit die Demokratie nicht kaputt geht.

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