Gerhard Cromme
Von Regeln und Ausnahmen

Die Cromme-Kommission diskutiert heute über gute Unternehmensführung. Wie ernst sie den Kodex nimmt, zeigt ausgerechnet Cromme selbst – ein Mann der Widersprüche.

DÜSSELDORF. Gerhard Cromme mag es barock. Er mag die plüschig-schwülstige Atmosphäre des Berliner Kempinski-Hotels „Bristol“ am Kurfürstendamm – mit dicken Vorhängen und Teppichen, schummrigen Lämpchen und allerhand Lüster. Deshalb lädt der Vorsitzende der Regierungskommission Corporate Governance auch heute wieder in den Schlosssaal des Hotels zur inzwischen sechsten Konferenz zum Deutschen Corporate Governance Kodex.

Dabei passt Crommes Vorliebe für das altehrwürdige, ein wenig verstaubte „Kempi“ so gar nicht zu seiner Erscheinung: Der schlanke, hochgeschossene Manager mit den kurzen grauen Haaren wirkt auch mit seinen 64 Lebensjahren dynamisch. Von Körperfülle, ausschweifendem Lebensstil findet sich bei ihm keine Spur. Stattdessen Disziplin und Zackigkeit auf der ganzen Linie.

Gerhard Cromme – ein Mann der Widersprüche. In vielerlei Beziehung. Nirgendwo wird das so deutlich wie bei seiner Aufgabe als oberster Hüter der Moral in deutschen Unternehmen, als der Mann an der Spitze der Kommission, die die Regeln für gute Unternehmensführung aufgestellt hat und die seitdem seinen Namen trägt: die Cromme-Kommission.

Heute und morgen wird er wieder mit 90 Gästen aus dem In- und Ausland, mit dem Ex-Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper, Ex-Allianz Boss Hennig Schulte-Noelle, mit Kajo Neukirchen, dem einstigen Vorstandsvorsitzenden der Metallgesellschaft, und Gérard Mestrallet, dem Präsidenten des französischen Suez-Konzerns diskutieren – über transparente Unternehmensführung und Kontrolle, darüber, wie gute Governance in einer Societas Europaea, also in der Rechtsform der Europäischen Gesellschaft, auszusehen hat.

Das ist der eine Cromme. Den anderen erlebt man in seiner Funktion als Aufsichtsrat einiger deutscher Unternehmen. Bis Anfang Mai saß er in sechs Kontrollgremien, von denen fünf das Gebot zur Offenlegung der Vorstandsgehälter – aufgestellt von der Cromme-Kommission – zunächst nicht befolgten. Eine Entscheidung, die auch Cromme mitgetragen hat. Erst in diesem Jahr änderten die Konzerne ihre Praxis und lassen sich jetzt auf mehr Transparenz ein.

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