Gerhard Grandke: Der Herkules aus Hessen

Gerhard Grandke
Der Herkules aus Hessen

Der 56-jährige Hüne soll die Fusion der Landesbanken stemmen. Eine seiner Freizeitbeschäftigungen, die Luhmannsche Systemtheorie, könnte ihm bei dem Mammutprojekt hilfreich sein - denn die geplante Konsolidierung ist ein kompliziertes Vorhaben.
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FRANKFURT. Am vergangenen Wochenende musste Gerhard Grandke beim Spaziergang durch das Barockviertel der Altstadt von Fulda öfters den Kopf einziehen. Die Türrahmen im Stadtschloss waren an einigen Stellen für den gut zwei Meter großen Hünen zu niedrig. Vorsichtig agieren und bei politischem Störfeuer wegducken - das muss der Präsident der hessisch-thüringischen Sparkassen auch in den kommenden Monaten. Denn der 56-Jährige spielt eine Schlüsselrolle in den wiederbelebten Gesprächen zur Konsolidierung der Landesbanken. Grandke und seinen rund 50 Sparkassen gehört die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zu 85 Prozent, sie soll der Nukleus werden für eine größere Lösung zur Verringerung der Anzahl der noch acht selbstständigen Institute. Zusammen mit der Dekabank, der WestLB und möglicherweise noch der Landesbank Berlin würde ein echtes Schwergewicht entstehen - mit Grandke im Zentrum der neuen Macht.

Der SPD-Politiker verbrachte seine wohl prägendste Zeit von 1990 bis 2006 als Kämmerer und Oberbürgermeister von Offenbach, der Nachbarstadt von Frankfurt. Während seiner Amtszeit schaffte er es, aus dem chronischen Sozialfall unter den Städten und dem schlechten Image des Vorhofs der Mainmetropole eine "Turn-around-Story" zu zimmern, die bundesweit Beachtung fand. Der passionierte Pfeifenraucher holte sich externen Sachverstand aus der freien Wirtschaft und brachte so die kommunale Verwaltung auf Trab. Grandke ist ein Anhänger der Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmann, auch in seiner Freizeit beschäftigt er sich mit dem Handeln von Personen in komplexen Zusammenhängen.

Das kann jetzt hilfreich sein, denn die Konsolidierung der Landesbanken ist ein kompliziertes Vorhaben mit vielen Akteuren. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will den Zusammenschluss, der mächtige Sparkassenpräsident Heinrich Haasis in Berlin auch. Allerdings wissen alle Beteiligten, dass schon fast unzählige Anläufe dazu im Interessengeflecht aus Ländern, Bund und Sparkassen gescheitert sind.

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