Gerhard Schröder
Ein Polarisierer sucht den Ausgleich

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder spielt im Streit Conti/Schaeffler eine schwierige Rolle.

BERLIN.Als Gerhard Schröder Ende vergangenen Jahres eine Rolle im Fusionskampf zwischen Continental und Schaeffler-Gruppe übernimmt, schließt sich für ihn ein Kreis. Als niedersächsischer Ministerpräsident hat er schon 1993 die Übernahme des Reifenkonzerns mit Sitz in Hannover durch einen italienischen Konkurrenten verhindert. Nun wacht er als „Garant“ darüber, dass die Investorenvereinbarung zwischen Conti und Schaeffler eingehalten wird.

Gerade wegen seiner Conti-Pirelli-Vergangenheit ist das Einhalten der dafür notwendigen Neutralität allerdings ein Drahtseilakt. Schröder hat zwar nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm als ehemaligem Landesvater der Schutz niedersächsischer Interessen wichtig ist – schließlich hat er in seiner aktiven Zeit selbst Industriepolitik betrieben. Aber angesichts der juristischen Schlammschlacht zwischen beiden Unternehmen muss der frühere Bundeskanzler aufpassen, dass seine „Garanten“-Rolle ernst genommen wird.

Trotz seines Hangs zu offener, manchmal poltriger Kritik und zur Polarisierung schweigt Schröder deshalb beharrlich zu dem Streit. Deshalb hat er sich auch zweimal überlegt, ob er die Entlassung des Conti-Vorstandschefs Karl-Thomas Neumann überhaupt rechtlich überprüfen lassen sollte. Denn auf der Schaeffler-Seite löst dies sofort den Verdacht aus, hier springe ein Niedersachse dem anderen bei.

Doch die Rolle als „Garant“ lässt dem 65-jährigen Juristen wenig Spielraum. Weil die Investorenvereinbarung vorsieht, dass kein Vorstand entlassen werden darf, musste Schröder – obwohl eigentlich noch im Urlaub – handeln. Schon im Frühjahr hatte er übrigens bemerkt, dass seine Aufgabe wegen der andauernden Scharmützel zwischen beiden Firmen aufwendiger ist als erwartet. Deshalb ist er schon aus persönlichen Gründen an einer Einigung interessiert.

Seit dem Ende der Kanzlerschaft 2005 hat sich der SPD-Politiker eine Existenz als Geschäftsmann aufgebaut, nicht nur als Aufsichtsratschef der Nord Stream AG, die eine Gaspipeline von Russland nach Europa betreibt. Er vermittelt beim Energiekonzern TNK-BP und knüpft als Ehrenvorsitzender des Nah- und Mittelostvereins Kontakte in Iran.

Doch seit sich VW und Conti gegen die Übernahmen durch süddeutsche Firmen gewehrt haben, wird er wieder stärker als Mitglied einer „Niedersachsen-Connection“ wahrgenommen. Zumindest teilt Schröder mit dem heutigen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) offen das Ziel, dass Niedersachsens Interessen gewahrt werden müssten.

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