Gerhard Zeiler verlängert seinen Vertrag
RTL forever?

Gerhard Zeiler ist in diesen Tagen gut aufgelegt. Der Vorstandsvorsitzende der RTL Group legte trotz miesen Deutschland-Geschäfts Rekordzahlen vor. Eine Belohnung ist Zeiler sicher: die Vertragsverlängerung.

HB BERLIN. Für den Medienkonzern Bertelsmann, zu über 90 Prozent Besitzer von RTL, kommen die hohen Erträge wie gerufen. Denn im nächsten Jahr steht der Börsengang von Europas größtem Fernsehkonzern an, den der Minderheitsgesellschafter Albert Frère verlangt.

Der 50-jährige Zeiler wird weitere fünf Jahre bleiben. Noch ist der Vertrag aber nicht unterschrieben. Der Österreicher verhandelt derzeit mit dem Gütersloher Konzernpersonalchef Detlef Hunsdiek über Details. Doch er lässt keinen Zweifel daran, dass er den in Luxemburg ansässigen Konzern bis 2011 führen möchte.

Als der frühere Redakteur der Wiener „Sozialistischen Korrespondenz“ im März 2003 den Chefsessel in Luxemburg übernimmt, ist er vom Sinn und von der Effizienz der kleinen Holding keineswegs überzeugt. Deshalb bleibt Zeiler am Anfang lieber in Köln. Sein sonniges Arbeitszimmer mit Balkon im Europa-Viertel von Luxemburg-Stadt steht meistens leer.

Erst im November 2004 gibt er bekannt, dass er wegen Arbeitsüberlastung das Deutschland-Geschäft an seinen Vertrauten Marc Conrad abgeben wird – eine personelle Fehlentscheidung mit schweren Folgen für RTL in Deutschland. Quoten und Umsatz sinken. Nach nur dreieinhalb Monaten trennt sich Zeiler vom Kölner TV-Produzenten Conrad. Heute saniert die frühere Vox-Chefin Anke Schäferkordt den größten deutschen Privatsender. Seit September 2005 kann sich Zeiler voll auf Europa konzentrieren.

In der Altstadt von Luxemburg hat der unprätentiöse Manager privat sein Quartier aufgeschlagen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Didier Bellens, einem Feinschmecker, kennt sich Zeiler in der delikaten Gastronomie des Großherzogtums bisher nicht aus. Der frühere ORF-Generalintendant begnügt sich schon mal mit Sandwichs oder einem kalten Wiener Schnitzel. Viel Freizeit verbringt er ohnehin nicht in Luxemburg. Privat ist er in London zu Hause, beruflich in ganz Europa. So stieg er in den russischen TV-Markt ein, baute das Geschäft in Portugal auf und verhandelte in Großbritannien über Zukäufe, allerdings vergeblich. „Ich kaufe lieber nichts als zu teuer“, kommentierte er dies.

Mit seiner jetzt vorgelegten Erfolgsbilanz empfiehlt sich Zeiler auch für höhere Aufgaben in der Gütersloher Bertelsmann-Zentrale. Im August kommenden Jahres tritt Bertelsmann-Chef Gunter Thielen ab. Sein Nachfolger soll aus den Reihen des Vorstands kommen. Als Kronprinz gilt zwar Hartmut Ostrowski, der vom Erfolg verwöhnte Chef des Mediendienstleisters Arvato. Aber seit Ende September sitzt auch Zeiler als ordentliches Mitglied im Bertelsmann-Vorstand.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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