Gericht fehlten die Beweise
Schweizer Bankier Ebner ist kein Insider

Das Bezirksgericht in Zürich hat den Investor und Bankier Martin Ebner vom Vorwurf des Insiderhandels freigesprochen. Ihm war die Ausnützung vertraulicher Informationen über einen Pirelli-Aktienrückkauf vorgeworfen worden.

HB ZÜRICH. Dem Bankier, der einmal als Star am Schweizer Finanzhimmel galt und mit seinen Attacken so manchen Schweizer Konzern das Fürchten lehrte, warf die Staatsanwaltschaft die Ausnützung vertraulicher Tatsachen im Zusammenhang mit einem Aktienrückkauf des italienischen Reifenkonzerns Pirelli im Jahr 1998 vor.

Laut Anklageschrift soll war Ebner als Großaktionär und möglichgerweise auch als Berater vorzeitig über den Rückkauf zu einem unter dem aktuellen Börsenkurs liegenden Preis informiert gewesen sein. Deshalb habe Ebners BZ Gruppe ihre Aktien zügig abgestoßen, um einen Verlust zu vermeiden.

Das Gericht mochte der Argumentation der Staatsanwaltschaft nicht folgen. Insbesondere war es für das Gericht nicht erwiesen, dass Ebner über vertrauliche Kenntnisse verfügt und den geplanten Rükkaufpreis gekannt hatte.

Das Verfahren war durch die Anzeige eines ehemaligen BZ-Mitarbeiters ins Rollen gekommen. Die Bezirksanwaltschaft hatte eine Gefängnisstrafe von sieben Monaten auf Bewährung gefordert.

Ebner hatte vor Gericht erklärt, die Verkäufe seien im Rahmen der Kurspflege erfolgt, um spekulative Übertreibungen aus dem Aktienkurs zu nehmen und um eine geplante Bereinigung der komplizierten Aktien- und Beteiligungsstruktur der Pirelli-Gruppe zu unterstützen. Insgesamt schloss die BZ Gruppe die Pirelli-Transaktionen mit einem Verlust von 66 000 sfr ab, aus diesem Grunde bewertete die Staatsanwaltschaft die Transaktionen auch als versuchten Insiderhandel.

Im Schweizer Insidergesetz, das im übrigen gerade auch den Staatsanwälten als „zahnlos“ gilt, sind Großaktionäre nicht als mögliche Insider aufgeführt. Bisher kam es in der Schweiz noch nie zu einer strafrechtlichen Verurteilung wegen Insiderhandels.

Der 58 Jahre alte Ebner war mit seinen BZ-Firmen in Zeiten des Börsenbooms bedeutender Aktionär bei großen Schweizer Namen wie Credit Suisse, Lonza und ABB. Im Zuge des Börsenniederganges der letzten zwei Jahre konnte er nur knapp den Konkurs der BZ Gruppe vermeiden. Sein Vermögen schrumpfte, wie er vor Gericht sagte, von fünf Milliarden auf weniger als 100 Millionen sfr.

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