Gericht rügt sinnlose Therapie
Körperverletzung statt Honoraranspruch

Heilpraktiker, die sinn- und konzeptionslos diagnostizieren und behandeln, müssen nicht nur um ihr Honorar fürchten, sondern auch mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Das geht aus einem Urteil des OLG Koblenz hervor, wie das Internet-Portal "Anwalt-Suchservice" berichtet.

HB KÖLN. Eine Heilpraktikerin verlangte für zahlreiche Therapien, die sie bei einer Patientin sowie deren Sohn durchgeführt hatte, insgesamt 11 890 Euro. Beide waren schon länger bei ihr in Behandlung und hatten bereits Rechnungen in Gesamthöhe von 61 278 Euro beglichen. Die neue Geldforderung wollte die Dame aber nicht mehr bezahlen. Die Therapiemaßnahmen in Form von Eigenblut- und Sauerstoffbehandlungen, so genannten Quaddelungen, Injektionen und Nadelungen, seien wirkungslos geblieben, so die Frau. Zudem seien die zahlreichen Sitzungen völlig wahllos von der Heilpraktikerin vorgenommen worden und letztlich überflüssig gewesen. Die Heilpraktikerin forderte daraufhin ihr Honorar gerichtlich ein.

Das OLG Koblenz wies die Klage ab (Urteil vom 26.2.2007 - 12 U 1433/04). Die Honorarforderung der Heilpraktikerin sei nicht gerechtfertigt, denn sie basiere auf völlig unbrauchbaren Leistungen, so das Urteil. Zwar sei der Heilpraktikervertrag ein Dienstvertrag und beinhalte kein Gewährleistungsrecht des Patienten. Doch erfülle ein Heilpraktiker, der sinn- und konzeptionslos diagnostiziere und behandele, seine Vertragspflicht nicht und verliere dadurch seinen Honoraranspruch. Im vorliegenden Fall, so die Richter, habe die Heilpraktikerin wahllos zu viele Therapiemaßnahmen auf einer ungesicherten Diagnosegrundlage durchgeführt. Dadurch habe die gesamte Therapie ihren naturheilkundlichen Nutzen verloren und müsse von der Patientin nicht bezahlt werden.

Darüber hinaus, so das Gericht, seien Injektionen und Nadelungen keine Bagatelleingriffe und erfüllten den Tatbestand der Körperverletzung. Zwar rechtfertige die Einwilligung des Patienten regelmäßig derartige Verletzungen. Doch setze die Einwilligung wiederum eine ausreichend sichere Diagnose und eine sachgerechte Aufklärung voraus. Da die Heilpraktikerin hier beide Voraussetzungen nicht erfüllt habe, seien die Therapiemaßnahmen als Körperverletzung zu werten, so die Richter.

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