Gerichtsverfahren
Hilfe von unerwarteter Seite

Kein schönes Widersehen: Vor dem Münchener Landgericht trafen jetzt die ehemaligen Infineon-Vorstandskollegen Andreas von Zitzewitz und Ulrich Schumacher aufeinander. Der eine als Zeuge, der andere als Angeklagter. Das war den beiden sichtlich unangenehm. Ein Report.
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MÜNCHEN. Andreas von Zitzewitz hat gerade im Gerichtssaal Platz genommen, da schaut er kurz zu Ulrich Schumacher hinüber. „So sieht man sich wieder“, entfährt es von Zitzewitz. „An den Schläfen etwas grau geworden“, erwidert Schumacher schlagfertig und blickt auf die ergrauten Haare seines ehemaligen Vorstandskollegen beim Münchener Chiphersteller Infineon.

Mehr als fünf Jahre haben sich die zwei Männer nicht mehr gesehen. Jetzt begegnen sie sich im Justizzentrum München wieder: Von Zitzewitz ist an diesem sommerlich warmen Mittwoch als Zeuge geladen im Prozess gegen Schumacher. Dass sie sich vor Gericht treffen, ist den beiden Alphatieren sichtlich unangenehm. Schumacher, weil er die Korruptionsvorwürfe endlich aus der Welt schaffen will. Von Zitzewitz wird hingegen von einer Affäre eingeholt, die er innerlich offenbar schon längst abgehakt hatte.

Schumacher muss sich seit Mitte September vor dem Landgericht München wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr und Steuerhinterziehung in jeweils acht Fällen sowie Untreue und versuchten Betrugs in jeweils einem Fall verantworten. Die Vorwürfe bestreitet der ehemalige Infineon-Chef rundum.

Von Zitzewitz braucht sich nicht mehr zu verteidigen, er ist 2006 bereits verurteilt worden. Ein Jahr Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe hat ihm das Gericht aufgebrummt, weil er Bestechungsgelder angenommen hatte.

Trotz dieses Makels hat der 49-Jährige Karriere gemacht. Im Sommer erst stieg der Ingenieur zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Solarfirma Conergy auf – mit der Option, die Leitung des angeschlagenen Unternehmens im Sommer 2010 zu übernehmen.

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