Gero Herrmann
Daimler findet neuen Korruptionsbekämpfer

Brasilien-Chef Gero Herrmann übernimmt den Posten des obersten Compliance-Managers. Er löst Gerd Becht ab, der zur Deutschen Bahn wechselt.

STUTTGART. Daimler hat den sensiblen Posten des Compliance-Chefs wieder besetzt. Gero Herrmann wird künftig im Konzern über die Einhaltung von Verhaltensmaßregeln, Gesetzen und Richtlinien wachen. Er war bislang Landeschef von Mercedes-Benz in Brasilien, eine Position, die sich schon häufiger als Sprungbrett für höhere Aufgaben im Konzern erwiesen hat.

Der 53-Jährige wird seinen Posten zum 1. November 2009 antreten. Die Position ist vakant, weil Bahn-Chef Rüdiger Grube den bisherigen Amtsinhaber Gerd Becht abwarb.

Am 30. März war Bahn-Chef Hartmut Mehdorn im Zuge der Datenaffäre als Vorstandschef zurückgetreten. Sein Nachfolger Grube, zuvor Strategie-Vorstand bei Daimler, führt bei der Bahn seit seinem Amtsantritt ein rigides Personalmanagement. Als Konsequenz aus der Datenaffäre hatte er im Mai ein neues Vorstandsressort für Korruptionsbekämpfung, Datenschutz und Recht eingerichtet, das künftig von Becht geleitet wird.

Den promovierten Juristen Herrmann, der fließend Portugiesisch und Spanisch spricht, führt eine typische Daimler-Karriere auf den Posten. Nach dem Jurastudium startet er 1988 als Assistent des Leiters von Mercedes-Benz in Argentinien. Er wechselt 1991 nach Stuttgart und wird Leiter des Vorstandssekretariats bei den Nutzfahrzeugen. Ein Jahr später übernimmt er den Vertrieb der Bussparte in Mexiko.

Danach leitet Herrmann das weltweite Programm- und Marktmanagement für Mercedes-Benz Pkw und übernimmt anschließend 2002 die Leitung des Vertriebs in Brasilien. Seit August 2004 ist er Landeschef von Mercedes-Benz do Brasil. Herrmann kennt also den südamerikanischen Markt bestens, wo Korruption immer noch weit verbreitet ist. Die neue Aufgabe wird für Herrmann nicht einfach. Immer wieder drohen dem weltweit aufgestellten Großkonzern rechtliche Konflikte in einzelnen Ländern. Zu Herrmanns Aufgaben gehört es auch, die Einhaltung der Insiderregeln zu kontrollieren.

Herrmanns Vorgänger, Gerd Becht, musste zum Beispiel vor französischen Behörden aussagen, weil Daimler Beteiligungen am Luftfahrt-Unternehmen EADS verkaufte. Daimler war von Frankreich verdächtigt worden, EADS-Anteile frühzeitig verkauft zu haben, weil die Konzernzentrale von den Problemen bei Airbus schon gewusst habe, bevor es offizielle Mitteilungen dazu gegeben hatte.

Im März vergangenen Jahres hatte der Konzern die neu geschaffene und aufgewertete Position eines Chief Compliance Officer direkt unterhalb der Vorstandsebene geschaffen. Becht, der am 1. Juni von GM Europe zur Rechtsabteilung von Daimler wechselte, war der Erste, der den neuen Posten übernahm. Der inzwischen 57-Jährige baute die Compliance-Organisation bei Daimler auf. Heute arbeiten dort weltweit rund 48 Mitarbeiter und zusätzlich 44 lokale Compliance-Verantwortliche in den Daimler-Tochtergesellschaften.

Nach dem gewaltigen Korruptionsskandal bei Siemens haben viele deutsche Großkonzerne solche Abteilungen aufgebaut. Aufgabe der Compliance-Organisation ist es sicherzustellen, dass alle geschäftlichen Prozesse nach gesetzeskonformen Regeln ablaufen und die Mitarbeiter in allen Fragen des ethisch-moralischen Verhaltens in allen Geschäftsvorgängen richtig beraten werden. Der Chief Compliance Officer ist eine in vielen US-Unternehmen etablierte Position. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte zu seinem Amtsantritt vor vier Jahren „null Toleranz gegenüber Korruption“ angekündigt.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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