Gerüchte um Tui-Übernahme mit Hilfe von Investorengruppe
Frenzels alter Widersacher

Der vom Tui-Chef geschasste Bernd Wrede soll an einem Comeback arbeiten. Mit Michael Frenzel hat der Ex-Chef von Hapag-Lloyd noch eine Rechnung offen.

HAMBURG. Seine Passion für Golf ist bekannt und doch: „Ich werde in Zukunft nicht nur Golf spielen“, beschied Bernd Wrede vor zwei Jahren Journalisten bei seinem unfreiwilligen Abschied vom Chefsessel des Logistikkonzerns Hapag-Lloyd. Unfreiwillig, weil sein Vorgesetzter Michael Frenzel, Vorstandschef der Hapag-Lloyd-Mutter Tui AG, Wredes Vertrag nicht verlängert hatte. Die Beziehung zwischen Frenzel und dem bis zur Arroganz selbstbewussten Hamburger war so zerrüttet, dass der Tui sein Abgang nur eine knapp fünf Zeilen lange Mitteilung wert war. Die Tui konnte sich gerade noch den Satz abringen, dass sie ihm für die erfolgreiche Führung von Hapag-Lloyd dankt.

Seither hat Wrede mit Frenzel noch eine Rechnung offen. Der mit dunkelblauem Anzug, gestreiftem Hemd und goldenen Manschettenknöpfen den hanseatischen Kaufmann verkörpernde Wrede winkt aber ab. „Ich bin entspannt“, kommentiert der Zigarrenraucher seinen derzeitigen Gemütszustand. Doch wenn er lächelt, erinnern seine schmalen Lippen an Rasierklingen. Jetzt gibt es Gerüchte, dass er mit einer Hamburger Investorengruppe daran arbeitet, die Tui zu übernehmen und seinen alten Widersacher Frenzel zu düpieren.

Der 60-Jährige hat seine Fähigkeiten als Top-Manager bewiesen, als er Hapag-Lloyd sanierte. Nach der drohenden Insolvenz des Logistikkonzerns Anfang der achtziger Jahre griff Wrede ab 1983 als Finanzchef und seit 1993 als Vorstandsvorsitzender hart durch und krempelte den Konzern vollständig um. Die inneren Abläufe wurden gestrafft, ein Fünftel aller Beschäftigten in der Schifffahrt entlassen, die Lloyd-Werft in Bremerhaven, die Hafendienste, Massengutschiffe und Tanker wurden abgestoßen. Er investierte in große Containerschiffe und Flugzeuge sowie in den Ausbau des Touristikgeschäfts.

„Kulturrevolution“ nannte er dies. Den Konzernumbau verfolgte Wrede mit solcher Konsequenz, dass er bald im Ruf des kompromisslosen, für Widerspruch wenig empfänglichen Hardliners stand. Seine Schlachtfeste bereitete er äußerst präzise vor, erinnert sich der langjährige Seebetriebsratsvorsitzende Helmut Pommerenck: „Wredes rigide Sparpolitik, die jede Rationalisierung favorisierte, war verpackt in gut vorbereitete Konzepte.“ Für den distinguiert und weltoffen auftretenden Wrede hat der Respekt vor der Tradition dort ein Ende, wo es um die Zukunft des Unternehmens geht. „Ich bin hier, um Geld zu machen, für die Mitarbeiter und die Aktionäre“, lautete sein Credo.

Mit den steuerlich schnellstmöglichen Abschreibungen auf Schiffe, Container und Flugzeuge schuf er dem Konzern ein so starkes Reservepolster, dass die Tui, vormals Preussag, im Jahr 1997 für 99,2 Prozent der Aktien 2,8 Milliarden DM (rund 1,43 Milliarden Euro) zahlen musste. Diese Finanzkraft half ihm eine Zeit lang, die Unabhängigkeit von Hapag gegenüber der Preussag zu sichern.

Aber die Demontage konnte er letztlich nicht verhindern. Alle Kompetenzen der Touristik gingen nach Hannover. Zudem wurde ihm ein Platz im Holdingvorstand in Hannover verwehrt. Stattdessen musste sich der machtbewusste Hamburger mit einer Rolle als Bereichsvorstand begnügen. Als sich dann noch die Hoffnung auf einen eigenen Börsengang von Hapag-Lloyd zerschlug, ging zwischen Frenzel und Wrede nichts mehr, erinnern sich Beobachter.

Seither ist es ruhig geworden um Wrede. Er sitzt noch in verschiedenen Aufsichtsräten wie in dem der Logistikfirma Kühne & Nagel, die in den Spekulationen um Tui auch auftauchte, die offiziell dementiert wurden. „Sie werden noch von mir hören“, beschied er Gesprächspartner bei seinem damaligen Abschied von Hapag-Lloyd. Und damit meinte er sicher nicht seinen Ein-Euro-Job als Berater des Hamburger Senats zur Sanierung der Sozialeinrichtung „pflegen & wohnen“. Wredes Ehrgeiz ist größer.

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