Geschäfte am Kap
Fairplay in Südafrika

Wer in Südafrika erfolgreich Personal führen möchte sollte keine Schwächen offenbaren oder sich gar anbiedern. Westliche Manager sollten sich außerdem vor Besserwisserei hüten, aber dennoch beherzt agieren. Ein Arbeitsalltag am Kap wird dadurch schnell zum Balanceakt.

KAPSTADT. Robert Hormes kann die Frage nicht mehr hören. Jeder, der dieser Tagen nach Kapstadt kommt, will von dem deutschen Projektleiter des neuen WM-Stadions wissen, ob die Arena auch pünktlich zur Fußball-WM 2010 fertig wird. „Wir liegen voll im Plan“, versichert der Mönchengladbacher Hormes. Das liegt vor allem an Bauleiter Andrew Fanton und dessen Motivationskünsten. Vier Tage schloss sich der Australier letztes Jahr bei einem Streik mit den Rädelsführern in seinem Büro ein. Zuvor hatten die Arbeiter seine Büromöbel zerschlagen und die Arbeit tagelang stillgelegt.

„Wenn man berücksichtigt, dass viele der Männer um fünf Uhr früh aufstehen, um zwei Stunden später am Arbeitsplatz zu sein, kann man ihre Gehaltsforderungen vielleicht etwas besser verstehen“, meint Fanton. Er handelte mit den Arbeitern eine Erfolgsbeteiligung aus. „Werden wir früher fertig, fließt das gesparte Geld in eure Taschen“, versprach er der Belegschaft. Gerade hat er eine weitere Prämie gezahlt. Mitte Dezember soll das Stadion schlüsselfertig sein – zwei Monate vor Termin.

Derzeit arbeiten fast 2 500 Arbeiter auf der Baustelle – weit mehr als in Deutschland für ein Projekt dieser Größenordnung. Hormes vom Architekturbüro GMP: „Manchmal fühle ich mich hier schon mehr als Politiker denn als Architekt.“ Südafrika sei ein großer Debattierclub. „Die Menschen diskutieren viel und gerne – nur leider oft, ohne etwas zu entscheiden. Da muss ich manchmal nachhelfen.“ Eine regelmäßige Präsenz auf der Baustelle war notwendig. „Die Kombination aus deutscher Pedanterie und südafrikanischem Laisser-faire ist eigentlich eine sehr gute Mischung“, schmunzelt der 34-Jährige.

Wer in Südafrika Personal führt, sollte dies beherzigen: keine Schwächen offenbaren oder sich gar anbiedern. Denn dies würde gewöhnlich schnell ausgenutzt, sagt der Manager eines internationalen Konsumgüterkonzerns in Johannesburg, der wie viele Kollegen anonym bleiben will. Nach seiner Erfahrung wünschen die Angestellten eine starke Hand und klare Hierarchien. Dennoch würden viele auf Kritik beleidigt reagieren. Schwarze witterten hinter Anordnungen eines Weißen oft Besserwisserei – und hätten entsprechend schnell den Rassismusvorwurf zur Hand.

Für weiße Manager am Kap wird der Arbeitsalltag dadurch oft zum Balanceakt. „Angesichts der hohen Sensibilität in puncto Hautfarbe ist es wichtig, stets konsequent zu handeln und alle Angestellten gleich zu behandeln“, rät der Manager aus Johannesburg. Schwarze Führungskräfte wie etwa der Personalmanager seines Unternehmens haben es schon kraft ihrer Hautfarbe und Herkunft erheblich leichter. Sie können im Bedarfsfall mit weit mehr Härte auftreten, ohne gleich als verkappter Rassist zu gelten. Aus dieser Sorge, aber auch aufgrund eines tief verwurzelten weißen Schuldgefühls agieren vor allem viele Expats zumindest anfangs oft weicher als daheim – und verlieren so in Afrika an Autorität.

Erschwerend kommt nach Ansicht fast aller Manager die eher begrenzte Kompetenz der Angestellten hinzu – Spätfolge des Apartheidsregimes. Viele etwas besser qualifizierte Schwarze wechseln schnell den Job – und viele Weiße emigrieren. Am Kap gibt es zwar eine sehr gute, aber oft nur dünne Führungsschicht. Das mittlere Management fehlt fast völlig. Deshalb können Topmanager in Südafrika viele Aufgaben nicht delegieren, was viel Zeit und Energie raubt.

Die Situation wird dadurch erschwert, dass viele Angestellte schon ihren ersten Monatsscheck sofort in den Kauf eines Autos oder Hauses stecken – und sich schnell stark überschulden. Kein Wunder, dass viele Unternehmen wie etwa die Lufthansa, die in Kapstadt ein Call- und Load-Center betreibt, schwarzen wie weißen Angestellten zu Beginn ihrer Tätigkeit „Life Skills“ vermittelt, um eine gewisse Disziplin zu gewährleisten. Angestellte, vor allem in kleineren Betrieben, erwarten in Afrika zudem vom Arbeitgeber Zuschüsse für Transport-, Bildungs- oder Gesundheitskosten.

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