Geschäftemachen in Israel
Im T-Shirt Tacheles reden

Beim Geschäftemachen sind Israelis locker drauf: Kein Unternehmer aus Deutschland sollte sich daher durch das äußere Erscheinungsbild seines Gegenübers irritieren lassen. Denn israelische Manager sind fix und professionell in der Sache – auch im T-Shirt.

TEL AVIV. „Ein guter Eindruck ist wichtig“, dachte sich Ari Akkermans. Genau deshalb hatte er sich für seinen ersten Arbeitstag als technischer Übersetzer für Concise Communications in Herzelya Pituach bei Tel Aviv in Schale geworfen. „Als ich am zweiten Tag dann noch einmal mit Jackett und Krawatte ins Büro kam, fragte mich der Pförtner am Eingang: ,Was? Musst du heute schon wieder auf eine Hochzeit?’ Danach bin ich dort nur noch im T-Shirt und Jeans erschienen.“

Die Erfahrungen des jungen Holländers sind typisch für alle, die zum ersten Mal Kontakt mit israelischen Unternehmen haben. Denn ein hohes Maß an Zwanglosigkeit scheint so etwas wie das Markenzeichen von Israels Geschäftskultur zu sein. Die Wurzeln dafür sind in der Geschichte zu suchen. Lange Zeit dominierte ein kollektivistisches Denken das Wirtschaftsleben des Landes. Und der ruppige Pionier, der die Wüste urbar macht und in einem Kibbuz lebt, war damals so etwas wie das gesellschaftliche Leitbild. Heute dagegen präsentiert sich Israel als hochmodernes Industrieland mit einem Bruttoinlandsprodukt von 130 Milliarden Dollar – mehr als alle seine arabischen Nachbarn zusammen. Doch nicht wenige Verhaltensweisen aus den Kindertagen des jüdischen Staates haben sich bis in die Gegenwart hinein erhalten. Darauf sollte jeder vorbereitet sein, der zum ersten Mal in Israel auf seine Geschäftspartner trifft.

Auch die geringe Größe des Landes – ohne die besetzten Gebiete entspricht Israel mit seinen rund sieben Millionen Einwohnern von der Fläche her ungefähr dem Bundesland Hessen – hat bestimmte Verhaltensweisen geprägt. „Israel ist eine dicht verwobene Gesellschaft. Intuition hat oft Vorrang. Nonverbale Signale haben zudem einen höheren Stellenwert als sprachliches Feingefühl. Gesellschaftlich ist es akzeptabel, seine Gefühle zu zeigen und sich beispielsweise bei seinen Kollegen genauso zu benehmen wie in der Familie“, weiß Tami Lancut Leibowitz zu berichten. Seit rund 20 Jahren gilt sie in Israel als Guru, wenn es um gute Umgangsformen geht.

Als Chefin des Instituts für Kommunikation, Manieren und Etikette in Tel Aviv versucht sie, ihren Kunden – darunter Manager, Politiker und selbst hohe Militärs – gute Umgangsformen beizubringen. Sie erklärt ihnen, wann man seinen Geschäftspartner mit Handschlag statt mit einem freundschaftlicher Klaps auf die Schulter begrüßt – schließlich kann man sich in der internationalen Geschäftswelt nicht so benehmen wie bei seinen Kameraden vom Reservedienst der Armee.



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Gerade was den Dresscode angeht, sollte sich kein Geschäftsmann aus Deutschland durch das äußere Erscheinungsbild seines Gegenübers irritieren lassen, warnt Franz Golling. „Wenn es um den Kleidungsstil geht, sind Israelis sehr unprätentiös. Seine Krawatten lässt man spätestens nach dem zweiten Treffen im Schrank hängen.“ Der Mitinhaber der Düsseldorfer Schneider-Golling AG arbeitet bereits seit vielen Jahren mit Israelis zusammen. Als Versicherungsmakler hat Golling sich darauf spezialisiert, israelische Containerschiffe oder auch noble Privatyachten bei deutschen Versicherungen unterzubringen. „Was Israelis einzigartig macht, ist ihre Schnelligkeit, wie sie in Verhandlungen auf den Punkt kommen“, weiß er aus seinen Erfahrungen zu berichten. „Und wenn es darum geht, Preise und Leistungen zu definieren, sind sie wahre Meister im Erkennen von Stärken und Schwächen in Vertragsangeboten.“ Abgesehen von der Zwanglosigkeit, hat Golling wenig nennenswerte mentale Unterschiede ausgemacht: „Eigentlich ist die israelische Geschäftskultur weitestgehend eine mitteleuropäische“, lautet sein Urteil – auch wenn der Begriff Pünktlichkeit gelegentlich ein wenig flexibel gehandhabt wird.

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