Geschäftsführer
Das Personalkarussell dreht sich wieder schneller

Neue Chancen für Chefkandidaten: Nach der Krise wechseln viele GmbHs jetzt ihre Geschäftsführer aus - und suchen neue Köpfe. Doch obwohl sich das Personalkarussell derzeit wieder schneller dreht, steigen die Gehälter laut einer Exklusivstudie indes kaum.
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DÜSSELDORF. Klaus Hansen kann sich über mangelnde Aufträge nicht beschweren. Dutzende von Firmen rufen bei ihm an und (fast) alle wollen nur eines: einen neuen Chef!

Hansen ist einer der Geschäftsführer von Odgers Berndtson, einer der führenden Personalberatungen in Deutschland. "Unsere Vermittlungsaufträge für Geschäftsführer liegen um ein Drittel höher als vor der Krise", sagt der 46-Jährige. Er sieht dies als klare Folge des Aufschwungs.

Denn in wirtschaftlich unruhigen Zeiten steht das Personalkarussell in aller Regel still. Hansen formuliert es so: "Im Sturm der Wirtschaftskrise haben sich die wenigsten Unternehmen getraut, den Kapitän zu wechseln." Deshalb hat sich ein Rückstau gebildet - der jetzt abgebaut wird. "Das Fass wird wieder neu aufgemacht", bestätigt Headhunter Heiner Thorborg, Grandseigneur der Branche. Vor allem die alleinigen Geschäftsführer werden ausgewechselt. Denn dort, so weiß Hansen, lassen sich alle Missstände gezielt auf eine Person zurückführen.

Doch das ist nicht der einzige Grund für den Run auf Geschäftsführer, der seit dem Frühjahr deutlich an Fahrt gewinnt. Denn im Aufschwung trennt sich die Spreu vom Weizen: Da zeigt sich, ob die GmbH-Chefs mit dem Unternehmen durchstarten oder nicht aus den Startlöchern kommen. "Gefragt sind nun nicht mehr die Sanierer und Kostensenker, sondern jene Typen von Geschäftsführern, die ihr Unternehmen langfristig in Schwung bringen", sagt Stefan Fischhuber, Partner der Personalberatung Kienbaum. Macher sind gefragt. Barbara Hartmann vom Konkurrenten Heads: "Chefs, die nach außen statt nach innen wirken, sind gesucht, also eher Marketing- als Finanzexperten."

Konflikte mit dem Fiskus

Bis Ende 2011 dürfte der Run auf Geschäftsführer anhalten. Doch es gibt einen Wermutstropfen für alle Chefkandidaten: Die starke Nachfrage spiegelt sich derzeit nur mäßig in höheren Gehältern wider.

Das belegt die aktuelle Studie über Geschäftsführer-Vergütungen von Handelsblatt und BBE Media. Über 3 000 Geschäftsführer gewährten intime Einblicke in Festgehalt, Tantiemen, Pensionszusagen und Extras wie Firmenwagen. Im Schnitt verdient ein GmbH-Geschäftsführer 135 431 Euro, verteilt auf 12,7 Monatsgehälter. Der Mittelwert liegt bei 109 500 Euro - das heißt, die Hälfte der befragten Geschäftsführer verdient mehr, die andere Hälfte weniger. Die Talsohle der Krise scheint insofern durchschritten, als jeder zweite GmbH-Chef mehr verdient als im Vorjahr - wenn auch nur marginal.

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