Geschäftsführer Weiß muss gehen
Das Feuern ist des Müllers Lust

Die Zahl der Spitzenmanager, die sich in der Vergangenheit bei der Unternehmensgruppe Theo Müller („Müller-Milch“) die Klinke in die Hand gaben, ist Legion. Seit Donnerstag gehört ein weiterer dazu: Christoph Weiß soll ab dem 1. April den Vorsitz der Geschäftsführung am Firmensitz im bayerischen Aretsried abgeben und stattdessen wieder den Beirat des Unternehmens leiten.

DÜSSELDORF. Dabei wollte Firmeninhaber Theo Müller, ein kauziger und cholerischer Patriarch, mit der Berufung von Weiß im Juli 2006 seine Nachfolge möglichst langfristig regeln. Dem heute 68-Jährigen war seine eigene Sprunghaftigkeit im Umgang mit seiner engsten Entourage durchaus bewusst. Auch seine beiden Söhne, Stefan und Theo junior, hatten mit dem gelegentlich aus heiterem Himmel einsetzenden Liebesentzug des Seniors schon ausgiebig Bekanntschaft gemacht. Denn sie mussten nach Weiß’ Firmeneintritt klaglos in die zweite Reihe zurücktreten.

Um eine im plötzlichen Zorn ausgesprochene Kündigung zu verhindern, hatte Müller seinen Statthalter Weiß mit einem Firmenanteil in unbekannter Höhe zum Gesellschafter gemacht. Mit dem Ergebnis, dass er den inzwischen in Ungnade gefallenen 51-jährigen Betriebswirt, der als eiskalter McKinsey-Mann („Zahlen, Daten, Fakten“) gilt, so schnell nicht wieder loswird. Von Anfang an hatte Müller, der innerhalb von 35 Jahren aus einer schwäbischen Dorfmolkerei den hinter Danone zweitgrößten europäischen Mopro-Konzern geformt hat, die Aktivitäten seines Protegés mit dem ihm eigenen Misstrauen beobachtet.

Eine der ersten Amtshandlungen des ehemaligen Werkzeughändlers: Weiß veröffentlichte Unternehmenskennzahlen, die der Senior aus gewohnter Geheimniskrämerei immer unter Verschluss hielt. Demnach hat das Müller-Milch-Imperium im Jahr 2006 einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der operative Gewinn lag bei etwa fünf Prozent Umsatzrendite, das sind rund 100 Millionen Euro. „Wir wollen noch deutlich zulegen“, kündigte Weiß in einem Zeitungsinterview im vergangenen Frühjahr an. Zur Imagepflege holte Weiß im letzten Herbst einen Kommunikationsexperten ins Haus. Der frühere Degussa-Manager Ralph Driever leitet seitdem die neu geschaffene Abteilung Unternehmenskommunikation. Weiß hatte zuvor angekündigt, dass der Müller-Milch-Hersteller sich stärker öffnen müsse.

Denn Firmengründer Theo Müller hatte in der Vergangenheit immer wieder durch Konflikte mit Medienvertretern für Aufsehen gesorgt. Der 46-jährige Westfale Driever gilt als krisenerprobt. Doch gestern ging auch er auf Anweisung des gefürchteten „Polterpatriarchen“, wie Theo Müller von Branchenkennern genannt wird, auf Tauchstation.

Damit ist nun auch Müllers dritter Versuch, seine Nachfolge zu regeln, gescheitert. Da er nach den Vorkommnissen nur noch „Abenteurer oder Desperados“ für den nun wieder vakanten Job bekommen kann, wie Brancheninsider orakeln, läuft derzeit wieder alles auf eine familiäre Lösung hinaus.

Sohn Stefan steht derzeit offenbar als Einziger für dieses bürdenvolle Amt zur Verfügung. Er wird es wohl machen müssen: Denn Blut ist bekanntlich dicker als Wasser.

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