Geschworene können sich nicht auf ein Urteil einigen
Prozess gegen Starbanker Quattrone gescheitert

Der Strafprozess gegen den Ex-Starbanker Frank Quattrone muss neu aufgerollt werden. Die zwölfköpfige Laienjury konnte sich nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen. Die Staatsanwaltschaft warf dem früheren Chef der Technologieabteilung der Investmentbank Credit Suisse First Boston Behinderung von Ermittlungen und Beeinflussung von Zeugen vor.

HB/tmo NEW YORK. „Ich erkläre hiermit, dass der Prozess gescheitert ist“, sagte der zuständige Richter Richard Owen am Freitag. Zuvor hatten die Geschworenen ihm gesagt, dass weitere Beratungen zwecklos seien. Im US-Justizsystem müssen Laienjurys einstimmig urteilen. Der Richter hat nur eine beratende Funktion. Die Staatsanwaltschaft stellte in Aussicht, den Fall erneut vor Gericht zu bringen.

Quattrone wäre der erste Topbanker, der wegen Verfehlungen aus der Zeit des Internetbooms ins Gefängnis muss. Der 48-jährige Multimillionär, der zeitweise auch für die Deutsche Bank arbeitete, brachte mehr Internetfirmen an die Börse als jeder andere.

Das Scheitern des Prozesses gilt als Rückschlag für die Anklage und als Belastung für ähnliche Verfahren, die bald beginnen. „Die Behörden sollten das als Aufforderung sehen, sich ihre Fälle künftig vorsichtiger auszusuchen“, sagte der New Yorker Strafverteidiger Stanley Arkin.

Bereits am vorvergangenen Freitag hatten die Geschworenen dem Richter schriftlich mitgeteilt, dass zwischen ihnen tiefe Meinungsverschiedenheiten bestanden. Trotz mehrfacher Appelle von Richter Owen fanden sie keine Einigung.

Die Anklage beruhte auf einer einzigen E-Mail, die Quattrone im Dezember 2000 an seine Mitarbeiter schickte. Darin fordert er sie „dringend auf“, unnötige Dokumente aus früheren Geschäften zu vernichten. Die Staatsanwälte sahen darin einen eine kriminellen Versuch, Beweismittel zu vernichten. Denn Quattrone wusste damals von Ermittlungen bei früheren Börsengängen, die sein Team begleitete. Die Verteidiger bestritten jede böse Absicht hinter der Mail.

Als ähnlich dünn gilt die Beweislage gegen die Fernsehköchin Martha Stewart, die den gleichnamigen Haushaltswarenkonzern gründete. Ihr soll bald wegen Insiderhandels der Prozess gemacht werden.

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