Gesellschafter kritisieren Stefan Aust
Krach um „Spiegel“-Chef

Selten berichten Journalisten über andere Journalisten. Doch vor wenigen Tagen machte der Gruner + Jahr-Ableger „Park Avenue“ erneut eine Ausnahme. Seitenlang nimmt Ex-„Stern“-Chefredakteur Michael Jürgs seinen früheren Erzrivalen unter die Lupe: Stefan Aust, Chefredakteur des „Spiegels“.

HAMBURG. Jürgs behandelt vor allem ein Thema: Wie viel Macht hat Aust bei Deutschlands führendem Nachrichtenmagazin? Zum Beispiel, wenn er Titelgeschichten gegen den Widerstand von Ressortleitern durchdrückt. Austs knappe Antwort lautet: „Ach was, von wegen Macht. Ich hab doch keine Macht.“

In diesen Tagen erreicht die Diskussion um die Macht von Aust beim „Spiegel“ eine neue Dimension. In einem ungewöhnlichen Akt wollen die mehrheitlich am Spiegel beteiligte Mitarbeiter KG und der „Spiegel“-Erbe und Minderheitsgesellschafter, Jakob Augstein, den Chefredakteur auf der nächsten Gesellschafterversammlung am 16. November vorladen – ein bisher in der Geschichte des Nachrichtenmagazins einmaliger Vorgang.

Die Eigentümer wollen dann über ein heikles Thema reden: die politische Linie des Magazins. Offenbar missfällt den Gesellschaftern insbesondere die Wahlberichterstattung. Hier habe Aust vor allem Stimmung gegen Rot-Grün und für die CDU/CSU gemacht, heißt es im Gesellschafterkreis.

Die Kritik am Stil des Chefredakteurs hat inzwischen ein Machtgerangel zwischen Aust und vor allem der Mitarbeiter KG ausgelöst, vertreten durch Thomas Darnstädt, den Geschäftsführer und Sprecher der Mitarbeiter KG. „Hier ist jetzt die Hölle los“, sagt eine Mitarbeiterin des „Spiegels“. Aust sei sauer darüber, dass die Diskussion öffentlich geführt werde, heißt es.

Der Vorstoß der Mitarbeiter KG und des Augstein-Erben ist der vorläufige Höhepunkt einer langen Fehde mit Stefan Aust. Im Mai 1988 steigt der hemdsärmelig wirkende 59-Jährige zunächst bei „Spiegel TV“ ein. Schnell baut der in der Nähe Hamburgs geborene Vater zweier Kinder das Politikmagazin zu einer kleinen Fernsehgruppe aus.

Seite 1:

Krach um „Spiegel“-Chef

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%