Gesellschaftliche Verantwortung
Die Renaissance des ehrbaren Kaufmanns

Schon seit den neunziger Jahren stehen Manager verstärkt in der öffentlichen Kritik. Gerade junge Manager und Führungskräfte ohne Erfahrung sind mit ihren Aufgaben oft überfordert. Doch was ist das ideale Verhalten eines Managers? Die Renaissance eines alten Leitbildes könnte Abhilfe schaffen.

BERLIN. Viele Manager legen ihren Entscheidungen die Erkenntnisse der reinen Ökonomie aus ihrem Studium zugrunde und übersehen dabei ihre gesellschaftliche Verantwortung, die in der globalisierten Welt für sie höher als je zuvor ist. Ihnen fehlt ein Leitbild, das ihnen die Charakterstärke verleiht, ihr Unternehmen nachhaltig zu führen und dabei auf kurzfristige gewinnsteigernde Maßnahmen zu verzichten. Auf der anderen Seite werden die Manager, die ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, nicht gewürdigt, weil es heute keinen Konsens über das ideale Verhalten von Unternehmern und Managern gibt.

Doch wie soll man in dieser, wie Habermas es formulierte, Zeit der „neuen Unübersichtlichkeit“ das gute Verhalten vom schlechten trennen und dabei auch noch objektiv bleiben? Eine Studie am Institut für Management der Humboldt-Universität zu Berlin hat einen neuen Ansatz gewählt. Due Studie wirft einen historischen Blick in eine einfachere Zeit, als Wirtschaft noch von Einzelkaufleuten und nicht von Konzernen geprägt war und ergründet ein Leitbild, das Europas materielle und auch kulturelle Entwicklung erst möglich machte: das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns.

Das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns ist ein inneres kulturelles Geländer, das das Handeln von Unternehmern in Einklang mit der Gesellschaft bringt. Es ist eine Lebensphilosophie, die Geschäftsleute in einem Erziehungsprozess zu ausgereiften, verantwortungsvollen und vor allem wirtschaftlich erfolgreichen Persönlichkeiten werden lässt. Wirtschaftlichkeit und Moral sind im ehrbaren Kaufmann keine Gegensätze. Moral im Sinne von Tugendhaftigkeit ist die Bedingung für echte Wirtschaftlichkeit, verstanden als das nachhaltige Schaffen von Werten.

Ein ehrbarer Kaufmann zeichnet sich durch eine gute humanistische Grundbildung gepaart mit wirtschaftlichem Fachwissen als Grundlagen für einen gefestigten Charakter aus. Dieser orientiert sich an Tugenden, die die Wirtschaftlichkeit fördern. Bereits 1340 im mittelalterlichen Italien sprachen Kaufmannshandbücher vom „wahren und ehrlichen Kaufmann“.

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