Gestanden
Der talentierte Mr. Bagger

Er war´s: Der dänische Milliarden-Betrüger Stein Bagger hat sich schuldig bekannt – will aber von Gewaltverbrechern erpresst worden sein. Seine dänischen Landsleute staunen über einen Mann, der einst als Unternehmer des Jahres gefeiert wurde und später in Handschellen aus Amerika in die Heimat zurückkehrte.

HB KOPENHAGEN/LOS ANGELES. Der dänische Unternehmer Stein Bagger (41) hat die spektakulären Vorwürfe des Milliarden-Betrugs im Prinzip bestätigt. Kurz nach seiner Ankunft in Kopenhagen nach der Abschiebung aus den USA bekannte sich Bagger vor einem Haftrichter des Betrugs und der Fälschung von Leasing-Verträgen für schuldig. Er will dabei von Gewaltverbrechern erpresst worden sein, die angeblich auch die Ehefrau und eine gemeinsame Tochter bedroht hätten. Fassungslos und fasziniert erleben die Dänen die Wandlung des vermeintlich genialen Geschäftsmannes Bagger zu einem gemeinen Betrüger - der noch vor wenigen Wochen als „Dänemarks erfolgreichster Unternehmer 2008“ gefeiert worden war. Auch nach Meinung seiner Partner steht zweifelsfrei fest, dass Bagger den angeblichen Umsatz seines Softwareunternehmens IT Factory von einer Milliarde Kronen (135 Mio. Euro) durch gefälschte Rechnungen als reines Luftschloss fabriziert hat.

Als sich Bagger am Wochenende nach seinem Verschwinden Richtung Dubai und dann in die USA auf einer kalifornischen Polizeistation freiwillig stellte, kam er laut „Los Angeles Times“ im eleganten Armani-Anzug und mit Rolex-Uhr am Handgelenk. Das passte zum Image, das der als überaus charmant und „ungewöhnlich charismatisch“ geltende Fitness-Fanatiker in seiner Heimat um sich verbreitet hatte. Und mit dem es ihm offenbar nicht schwerfiel, Dänemarks größte Bank Danske Bank um 350 Mio. Kronen (35 Million) zu erleichtern und den Ex-Radsportstar Bjarne Riis als Co-Sponser für dessen Profirennstall an der Nase herumzuführen. Die Unternehmensberater von Ernest&Young und das Kopenhagener IT-Fachblatt „Computerworld“ ehrten ihn noch im Herbst mit Preisen für sein „innovatives“ und „erfolgreiches“ Geschäftsmodell.

Das „Modell“ bestand dann schlicht in einem heimlich angemieteten Bürozimmerchen nahe der IT-Factory-Zentrale, in dem Bagger fingierte Leasingverträge anfertigte, um den in Wirklichkeit gegen Null tendierenden Umsatz seines Unternehmens maximal in die Höhe zu treiben. Als der angeblich ahnungslose Partner Asger Jensby das Büro und darin eine Plastiktüte mit den gefälschten Verträgen fand, fiel das Kartenhaus sofort in sich zusammen, und IT Factory meldete Konkurs an. Bagger verschwand spurlos und tauchte wieder auf, nachdem er im Mietwagen von New York quer durch die USA gefahren war. Er soll umgehend ausgeliefert werden.

Nur noch interessanter wurde die Geschichte durch immer neue Details über enge Kontakte Baggers zu dänischen Rockern von den Hell's Angels und heimliche Wohnungen für Seitensprünge nebst Lamborghini im Keller. Peinlich sind die Enthüllungen nicht nur für betroffene Banken, Unternehmensberater und Geschäftspartner, die auf simplen Betrug hereingefallen waren und viel Geld verlieren. Auch die führenden dänischen Medien feierten Bagger bis zuletzt und machten bereitwillig Spaltenplatz frei für dessen „Erklärungen“ des eigenen Erfolges: „Ich schlafe höchstens drei bis vier Stunden pro Nacht. Manchmal arbeite ich 100 Stunden die Woche.“ Jetzt behauptet die Familie, Bagger sei durch jahrelange „räuberische Erpressung“ zu seinen kriminellen Aktivitäten gezwungen worden.

Auf die Spur der gigantischen Bluff-Nummer kam die allein und zäh im heimischen Keller recherchierende Journalistin Dorte Toft. Hilfe leisteten meist anonym auftretende Blogger. Einige von ihnen mit Insiderwissen wunderten sich auch, warum die führende dänische Bank den Millionen-Betrüger kurz vor seiner Entlarvung noch mit einem persönlichen Überziehungskredit von 50 Mio. Kronen (6,7 Mio. Euro) beglückte. Wo die nervös gewordenen Banken doch sonst im Zeichen der Finanzkrise kaum noch Kreditwünsche erfüllen.

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