Gewinne trotz Krise
Der erfolgreiche Kuschelkurs der Alphatiere

Ganz Europa ist fest im Griff der Euro-Krise. Ganz Europa? Nein. Einige deutsche Manager leisten den Wirren erfolgreich Widerstand. Sie haben ihre Gewinne im ersten Halbjahr weiter gesteigert. Ihr Geheimnis: Anpassung.
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DüsseldorfEin chinesisches Sprichwort besagt: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Unter den deutschen Konzernchefs haben sich viele für Windmühlen entschieden. Ihre Weitsicht und die Bereitschaft, das Geschäftsmodell von gestern infrage zu stellen, zahlen sich jetzt aus: Trotz Euro-Krise und nachlassenden Wachstums in den Schwellenländern ist es ihnen gelungen, ihre Gewinne im ersten Halbjahr zum Teil nochmals deutlich zu steigern. Und das, obwohl viele der Unternehmen schon im vergangenen Boomjahr Rekordergebnisse erzielt hatten.

So feierte Springer-Chef Mathias Döpfner den mit 309 Millionen Euro den höchsten operativen Halbjahresgewinn in der Geschichte des Medienkonzerns – ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber des Erfolgs sind die Onlineaktivitäten, auf die Döpfner sein Geschäft wie kein anderer deutscher Medienmanager ausgerichtet hat. Die Erträge dort stiegen um 55 Prozent auf 111 Millionen Euro und machen damit bereits ein Drittel des Konzerngewinns aus.

Infografik

Operatives Ergebnis 1.Hj. 2012

Steigerung zum Vorjahresquartal in %


Der Energieversorger Eon konnte sein operatives Ergebnis (Ebitda) gegenüber dem Vorjahr sogar um knapp 55 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro steigern. Den Gewinnsprung verdankt der Konzern nicht zuletzt dem Verhandlungsgeschick seines Vorstandschefs Johannes Teyssen, der mit dem russischen Gaskonzern Gazprom einen günstigeren Liefervertrag aushandelte. Außerdem profitiert Eon davon, dass Teyssen sich ganz im Gegensatz zum früheren RWE-Chef Jürgen Großmann als aktiver Gestalter und nicht als Bremser der Energiewende sieht.

Herausragend schlägt sich auch der Softwareriese SAP. Die Doppelspitze aus Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe arbeitet bei der Entwicklung neuer Produkte viel enger mit den Kunden zusammen. Im zweiten Quartal verkaufte das Unternehmen Softwarelizenzen im Wert von 1,06 Milliarden Euro, 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Erzrivale Oracle schaffte nur ein Plus von sieben Prozent.

Wenn man nach Gemeinsamkeiten zwischen den erfolgreichen Chefs sucht, stößt man auf drei Charakteristika.

Erstens: Alle Topmanager haben ihr bisheriges Geschäftsmodell zwar nicht infrage gestellt, aber doch mit großer Geschwindigkeit an ein verändertes Marktumfeld angepasst.

Zweitens: Alle erfolgreichen Vorstandschefs sind bereits seit vielen Jahren im Konzern und stehen nicht erst seit gestern an der Spitze. Sie haben eine eigene Mannschaft um sich geschart, die neue Strategien auch schnell implementieren kann.

Drittens: Die meisten der Profitmacher sind stille Arbeiter, die auf eine große Ego-Show verzichten, wie sie etwa Großmann, der frühere Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff oder Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp zeigten. Stattdessen leisten sie intern, aber vor allem gegenüber ihren Kunden Kärrnerarbeit.

Kommentare zu " Gewinne trotz Krise: Der erfolgreiche Kuschelkurs der Alphatiere"

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  • Schaeffler ist glaube auch ein Unternehmen, dass trotz der Finanzkrise noch gut aufgestellt ist. Auch deren Vorstandsvorsitzdender Geißinger hat mit seiner strikten Investitionspolitik die Wachstumschancen vorangetrieben.

  • Alle Dinge, die Sie hier aufzählen werden doch nur als Kostenfaktor gesehen. Alles was nicht im selben Quartal Geld bringt wird doch nur aufgrund von Gesetzen oder unter großem Druck von Ausßen gemacht.

  • Der "Kuschelkurs" ist in Wahrheit alternativlos, wer die Kundenwünsche nicht vernünftig berücksichtigt, verschwindet über kurz oder lang vom Markt.

    Das scheint sich auch auf Seiten der Medien herumgesprochen zu haben, die spätestens in den 80-ger Jahren zu unkritischen Gehilfen des Neoliberalismus geworden sind, was letztlich zu enormen Verlusten an Lesern geführt hatte. Hinzu kamen die Millionen Hartz-IV Empfänger und Kleinrenter, die sich SPIEGEl & Co. schlicht nicht mehr leisten können - Anbieter von Massenprodukten brauchen aber kaufkräftige Massen.

    Neuerdings, wie gesagt, gibt es Anzeichen für eine Gegenentwicklung. Heute gab es einen kritischen Artikel in der FAZ, eine Musterschülerin des vorauseilenden Systemgehorsams, der die Aushöhlung der Demokratie durch die Märkte beklagte. Ich schrieb einen Kommentar dazu, der klarstellte, dass diese Umstände Folge einer sehr langen Entwicklung seien, die auch von den Medien unter Aufgabe von sauberem Journalismus aktiv unterstützt worden sei. Der Kommentar wurde zunächst nicht veröffentlicht, obwohl andere, später geschriebene Kommentare schon zu sehen waren.

    Ich schrieb noch einen Kommentar: "Die Art der hier geübten Zensur verdeutlicht, dass die FAZ auch jetzt noch keine Demokratie will."
    Der Kommentar wurde zwar nicht veröffentlicht, doch letztlich wurde mein erster Kommentar doch noch veröffentlicht.

    In einer Gesellschaft voller künstlich erzeugter Spannungen, in der viel schief lief und es kaum noch wirklich saubere Hände gibt, müssen Händewaschen und Kuscheln erst einmal wieder gelernt werden. Wir alle sollten das als unsere Aufgabe betrachten.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    http://die-volkszeitung.de

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