Giancarlo Cimoli übernimmt Alitalia-Führung
Dieselkraft für Alitalia

Es gibt zwei Arten von Verrückten: jene, die glauben, Napoleon zu sein, und jene, die meinen, die italienischen Staatsbahnen sanieren zu können.“

HB MAILAND. Dieser Satz stammt von Giulio Andreotti, dem vielleicht einflussreichsten Politiker im Nachkriegsitalien. Nach dieser Definition übernimmt ab sofort ein Verrückter die Führung der krisengeschüttelten Alitalia. Denn Giancarlo Cimoli hat in den vergangenen sieben Jahren nicht nur beharrlich an die Sanierung der Ferrovie dello Stato geglaubt. Mehr noch: Das Kunststück ist ihm sogar gelungen.

Durchgeknallt oder abgedreht wären aber ganz unpassende Attribute, mit denen man den 65-jährigen Chemieingenieur aus der Toskana beschreiben könnte. Bände spricht dagegen der Spitzname „Diesel“, den sich der bullig wirkende, rundgesichtige Mann wegen seiner Zuverlässigkeit, des Langmutes und des Durchhaltevermögens in den vier Jahrzehnten seiner Karriere verdient hat.

„Er arbeitet 14 bis 15 Stunden am Tag. Er steht für Disziplin und Härte“, sagt einer, der ihn gut kennt. „Auf der anderen Seite besitzt er eine Herzlichkeit und menschliche Seite, wie sie nur selten bei Top-Managern vorkommen.“ Cimoli wird beide Charakterzüge benötigen, um seine Mission bei Alitalia erfolgreich zu erfüllen. Denn die staatlich kontrollierte Fluggesellschaft ist krank – schwer krank.

Durch jahrzehntelanges Missmanagement sowie den erdrückenden Einfluss der politischen Parteien und der Gewerkschaften ist das Unternehmen aus Rom an den Rand des Absturzes manövriert worden. Im letzten Jahrzehnt hat Alitalia nur ein einziges Mal schwarze Zahlen geschrieben. Im vergangenen Jahr lag der Verlust bei über einer halben Milliarde Euro. Und in den ersten vier Monaten dieses Jahres sind schon 250 Millionen Euro Miese aufgelaufen. Derzeit verbrennt das Unternehmen jeden Tag eine weitere Million. Die Liquiditätslage ist derart kritisch, dass die Zulieferer damit begonnen haben, sich für das Kerosin oder die Sandwiches der Fluggäste schon Sicherheiten geben zu lassen. Oder sie verlangen gar Vorkasse. Derweil hatten die Gewerkschaften in den zurückliegenden Wochen nichts Besseres zu tun, als durch wilde Streiks und Flughafenblockaden die Lage weiter zu verschärfen.

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