Gläubiger von Thomas Middelhoff
Jagd nach dem verlorenen Schatz

Die Gläubiger des gescheiterten Ex-Managers Thomas Middelhoff fordern eine Summe in dreistelliger Millionenhöhe. Doch der Insolvenzverwalter macht wenig Hoffnung, dass sie zu ihrem Geld kommen.

Bielefeld, DüsseldorfRund 30 Gläubiger von Thomas Middelhoff hatten ihre Anwälte und Vertreter nach Bielefeld geschickt: Beraterlegende Roland Berger etwa, der auf rund sieben Millionen Euro hofft. Oder Immobilienunternehmer Josef Esch, der mehr als sechs Millionen Euro angemeldet hat. Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch war ebenfalls nach Ostwestfalen gepilgert, seine Forderungen belaufen sich auf mehr als 200 Millionen Euro. Außerdem anwesend: Vertreter des Gläubigers Sal. Oppenheim (fordern 100 Millionen Euro) und die Berliner Immobilienfirma Gewobag (eine Million Euro). Sie alle hofften auf neue Erkenntnisse des Insolvenzverwalters Thorsten Fuest.

Anfang Juli war das Insolvenzverfahren eröffnet worden, seither spürt Fuest den verlorenen Millionen des einstigen Star-Managers Middelhoff nach. Er soll die Ansprüche der insgesamt mehr als 50 Gläubiger möglichst weitgehend erfüllen. Jetzt legte Fuest am Amtsgericht Bielefeld im Rahmen einer Gläubigerversammlung eine erste Zwischenbilanz vor.

Danach summieren sich die Forderungen auf insgesamt rund 409 Millionen Euro. „Allerdings ist bereits jetzt klar, dass die Forderungen in dieser Größenordnung mit Sicherheit nicht bestehen bleiben“, sagte Fuest. Außerdem machte der Insolvenzverwalter klar, dass er fast alle Forderungen zunächst bestritten hat. Lediglich wenige Millionen Euro habe er bis dato anerkannt.

Hinzu kommt, dass Fuest teilweise selbst gegen Gläubiger vorgeht, weil diese noch Middelhoff-Gelder eingesammelt haben, als dieser bereits zahlungsunfähig war. So gelang es dem Immobilienfonds Gewobag, Middelhoffs teure Piaget-Armbanduhr zu pfänden, als dieser in seinem Strafprozess vor Gericht stand. Das Stück brachte bei einer Zwangsversteigerung 10 350 Euro.

Insgesamt fordert Fuest bislang 3,7 Millionen Euro zurück. Auch einen Anwalt Middelhoffs hat er dabei im Visier: Winfried Holtermüller von der Kanzlei Schelling & Partner hatte kurz vor der Pleite seines Mandanten gut 2,4 Millionen Euro eingestrichen. Das Geld stammte aus dem Verkauf einer Beteiligung am Oppenheim-Esch-Fonds Köln Ossendorf VII. Der Insolvenzverwalter vermutet, dass Holtermüller das Geld kassiert hat, obwohl er bereits wusste, dass die Insolvenz nicht abzuwenden ist. „Es ist richtig, dass ich Zahlungen an Middelhoff-Anwälte angefochten habe“, sagte Fuest. Holtermüller selbst wollte auf Anfrage nichts dazu sagen.

Middelhoffs zweiter Anwalt Hartmut Fromm sieht sich nach eigenen Angaben dagegen keinen Forderungen des Insolvenzverwalters ausgesetzt. Auch er hatte aus der Fonds-Transaktion Erlöse generiert. Allerdings konnte er damit nur einen Teil seiner Honorare begleichen. Fromm gehört inzwischen selbst zu den Middelhoff-Gläubigern.

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