Gleichstellungsgesetz
Kleinste Fehler, große Folgen

In wenigen Wochen gilt das Gleichstellungsgesetz, aber kaum eine Firma bereitet sich vor. Dabei können geringste Fehler einzelner Mitarbeiter schwerwiegende Folgen haben und nicht nur Schadensersatzansprüche auslösen, sondern auch Imageschäden anrichten.

DÜSSELDORF. „Die meisten Führungskräfte unterschätzen das Thema Antidiskriminierung. Sie nehmen es einfach nicht ernst“, urteilt Michael Kramarsch, Deutschland-Chef der Vergütungsberatung Towers Perrin. Dabei müssten Unternehmen bald „dramatisch aufpassen“, warnt er. Kleinste Fehler einzelner Mitarbeiter können große Folgen haben und nicht nur Schadensersatzansprüche auslösen, sondern auch Imageschäden anrichten.

Doch wie kann es sein, dass die Unternehmen so einem Gesetz wie dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) – und das tritt am 1. August in Kraft – derart gelassen entgegensehen? Ein Gesetz, das als EU-Richtlinie schon seit Jahren wie ein Damoklesschwert über ihnen schwebt. Die Antidiskriminierungsregeln sollten doch schon längst in deutsches Recht übernommen sein. Nur die drohenden Strafen in zweistelliger Millionenhöhe haben jetzt den deutschen Gesetzgeber in Gang gebracht.

Doch: „Viele Personalabteilungen waren in den vergangenen Jahren selbst zugedeckt mit Arbeit, weil sie so viele Leute abzubauen hatten“, versucht Kramarsch eine Erklärung. Und: „Bislang steht bei den Personalchefs das Thema Diskriminierung auf Platz fünf der Prioritätenliste“, schätzt er. Und zwar nach der Demographie-Falle, der betrieblichen Altersversorgung und der Frage, wie man die Richtigen für Karrieren im Unternehmen erkennt und am besten fördert. Doch Berater Kramarsch ist überzeugt: Wegen der Haftung ist das Diskriminierungsthema bald auf Platz eins.

„Wir haben bereits zwei große Unternehmen in Deutschland daraufhin überprüft, ob und an welchen Stellen sie möglicherweise diskriminieren“, berichtet Towers-Perrin-Chef Kramarsch. Seine Erfahrung ist, dass diese zwei Punkte die Hauptproblemfälle sind: zum einen sitzen so wenige Frauen auf deutschen Chefsesseln – anders als in den USA, Großbritannien, Skandinavien und den Niederlanden. Bei den europaweiten Rankings der weiblichen Top-Führungskräfte wie dem des „Wall Street Journals“ schneiden deutsche Managerinnen verheerend ab.

Der andere neuralgische Punkt ist das Alter, berichtet Kramarsch. In ihrem Jugendwahn schicken die Unternehmen viel zu oft – vergleichsweise junge – Leute in den Vorruhestand. Diese Programme der Unternehmen müssen nun auf den Prüfstand – genauso wie viele Talent-Management-Programme. In denen ist dann zum Beispiel definiert, dass die High Potentials zweimal im Ausland gewesen sein und zwei Funktionen bekleidet haben müssen – und noch nicht 50 Jahre alt sein dürfen. Das dürfte bald nicht mehr so durchgehen.

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