Globalisierung
Deutsche Konzerne flüchten aus der Heimat

Hohe Löhne treiben die meisten Unternehmen in die Ferne. Neben typischen Niedriglohnländern mutieren vor allem die USA zu einem immer preiswerteren Land für deutsche Firmen. Besonders die MDax-Unternehmen drängen ins Ausland. Ein Ende der Internationalisierung ist nicht in Sicht.
  • 6

DÜSSELDORF. Hohe Kosten animieren die meisten Unternehmen, ihre Waren im Ausland zu produzieren. Jahr für Jahr steigern die großen deutschen Konzerne deshalb ihre Investitionen, Umsätze und die Zahl ihrer Mitarbeiter im Ausland. Gleich zehn von 75 Firmen mit detaillieren Auslandszahlen aus den Börsenindizes Dax, MDax, TecDax und SDax erwirtschaften inzwischen mehr als 80 Prozent ihrer Umsätze im Ausland. Das gab es noch nie.

Ein Ende der Internationalisierung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: "Viele komplexe Konstruktionstechniken und bisherige Kernkompetenzen werden erst noch ins Ausland abwandern", sagt Oliver-Wyman-Berater Thomas Kautzsch. "Deutschland muss sich seinen Technologievorsprung durch Innovationen ständig neu erarbeiten."

Richtig ist zwar, dass die Löhne in vielen osteuropäischen Ländern zuletzt rasant gestiegen ist. Zuwächse von jährlich bis zu 20 Prozent in Rumänien, Tschechien und Ungarn während der Boomjahre 2004 bis 2007 verkleinerten den Abstand zu den hochentwickelten westlichen Industrieländern. Doch an Stelle Osteuropas treten asiatische, südamerikanische und nordafrikanische Länder. Sie zahlen geringe Löhne und erhöhten in den vergangenen Jahren ihre Bildungsstandards. Deshalb verbesserte sich die Qualifikation einheimischer Arbeitskräfte nachhaltig, wie die Unternehmensberatung A.T. Kearney in einer Länderstudie ermittelte. Dieser Qualitätsschub erleichtert westeuropäischen Konzernen nun den Einsatz hochqualifizierter Entwickler vor Ort.

USA subventionieren Arbeitsplätze

Darüber hinaus gewinnen für deutsche Firmen die USA an Attraktivität. Der schwache Dollar lockt, weil er die Produkte gegenüber dem Nicht-Dollar-Raum verbilligt und wettbewerbsfähiger macht. Die hohe Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten erzeugt politischen Druck für Subventionen für ansiedlungswillige Betriebe. Der Bundesstaat Alabama und die Entwicklungsbehörde in Tuscaloosa stellen Mercedes-Benz für den Werksbau seiner C-Klasse 100 Mio. Dollar in Aussicht. Daraus errechnet sich pro neuem Arbeitsplatz ein Zuschuss von 100 000 Dollar. Da die Arbeisstunde in Tuscaloosa angesichts des schwachen Dollars nur mit 30 Euro zu Buche schlägt, spart Daimler 40 Prozent gegenüber den Löhnen in Sindelfingen.

Seite 1:

Deutsche Konzerne flüchten aus der Heimat

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Globalisierung: Deutsche Konzerne flüchten aus der Heimat"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sehr geehrte Vorkommentatoren, ich teile ihre Meinungen voll und ganz. Möchte nur eine Frage stellen, warum wird von der Politik nicht gegen gesteuert? Mein Vorschlag wäre, wer Technisches Wissen ins Ausland transferiert, wird mit einer Strafsteuer belegt, wer sein im Ausland erarbeitest Produkt wider in die bundesrepublik Deutschland einführen will, zahlt eine Abgabe für die dann entstandenen Arbeitslosen, sonst keine einführ.
    Danke.

  • Während in Deutschland immer noch den bürgern und Firmen vorgemacht wird, daß Deutschland wettbewerbsfähig ist, wird 50% des Kapitals der Dax-Firmen vom Ausland kontrolliert und Konzerne und Mittelstand verlagern Arbeitsplätze ins Ausland- oft mit ungewissem Ausgang.
    Warum tun die Firmen das trotzdem?
    Deutschland hat zu hohe Steuersätze, ein oft undurchdringliches Dickicht an Gesetzen, zu viele Subventionen, die nicht den innovativen und Wettbewerbsfähigen, sondern meist den Konzernen zugute kommen, investiert zu wenig in bildung und Forschung, soweit diese noch vorhanden ist.

    in Deutschland wird zu viel verwaltet und zu wenig für die eigene Wettbewerbsfähigkeit getan.

    Kein Wunder, daß es dann auf der Hand liegt, sich oft von Ködersubventionen und oberflächlich niedrigen Steuersätzen im Ausland bezircen zu lassen.
    Das kurzfristige Denken und Handeln kommt oft vor einer langfristigen Orientierung.
    Vielleicht liegt das auch an der nicht zielorientierten bezahlung einiger Unternehmenslenker?
    Die meisten Politiker sind sowieso in ihrem goldenen Käfig weit von der Realität in Deutschland entfernt.

  • Wer seine Forschung und Entwicklung und damit das Know How ins Ausland verlagert, der wird sich seinen "technologischen Vorsprung" nicht ständig neu erarbeiten, sondern ihn verlieren.
    Wer meint, dass diejenigen, die den Vorsprung erarbeiten sollen, sich mit Kümmerlöhnen bescheiden sollen, während die Vorstände und Manager sich ihre Taschen füllen, der wird seinen Vorsprung verlieren.
    Was uns bleibt sind überbezahlte banker und Konkursverwalter und ein auf infarktnähe fettgefressener Staat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%