Globalisierung
Rumänen sind anders, Inder auch

Manager internationaler Konzerne müssen sich auf ständig neue Herausforderungen einstellen. Die Arbeitsbedingungen im rumänischen Bukarest unterscheiden sich schließlich vollkommen von denen im indischen Bangalore. Das hat Vor- und Nachteile.

BUKAREST. So sieht also das Gesicht der Globalisierung aus: ein kurz geschnittener Bart, dichte, dunkle Haare mit einzelnen grauen Einsprengseln und ein gewinnendes Lächeln. Es ist das Gesicht von Thomas Simonis. Ohne Männer wie ihn wäre die Expansion der großen Konzerne rund um den Globus schon längst ins Stocken geraten. Denn es wird immer schwieriger, neue Dependancen und Fabriken in fernen Ländern aufzubauen.

Es ist schon ein paar Jahre her, da hat der sportliche 44-Jährige für den Münchener Chiphersteller Infineon die Softwareentwicklung im indischen Bangalore auf die Beine gestellt. Seit 2005 ist der Ingenieur nun in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, um dort eine weitere Niederlassung des zweitgrößten europäischen Halbleiterproduzenten zu gründen.

Simonis muss nur morgens aus dem Fenster in seinem hellen Eckbüro am Bulevardul Dimitrie Pompeiu schauen, schon hat er die Probleme eines schnell wachsenden Schwellenlands vor Augen. Rumäniens Probleme sind dabei auch seine Probleme. Denn auf dem Weg ins Büro drängen sich seine Leute auf der Straßenbahn-Trasse, weil die Gehwege von Autos zugestellt sind. Parkplätze sind angesichts der vielen neuen Limousinen so begehrt wie in früheren kommunistischen Zeiten Bananen und Coca-Cola. „Das ist lebensgefährlich hier, es gab schon einige Unfälle“, klagt Simonis.

Zur Rush-Hour erstickt die Zufahrtstraße in dem boomenden Industriegebiet im Norden der Millionenstadt geradezu im Verkehr. „Die Infrastruktur hält mit dem rasanten Wachstum nicht mit“, sagt Simonis. Dann fügt er hinzu: „Und die Behörden tun nichts.“ Längst hat sich Infineon mit anderen Firmen zusammengeschlossen, um den Politikern Druck zu machen; denn die Staus bremsen das Wachstum.

So wie die Straßen zu eng werden, so fehlen in Rumänien inzwischen auch geeignete Mitarbeiter. 150 Elektronik-Spezialisten hat Simonis in den vergangenen zwei Jahren schon angeheuert, weitere 100 soll er noch einstellen. „Doch auf die letzte Stellenanzeige gab es null Bewerbungen“, klagt er. Dabei ist Infineon extra nach Rumänien gegangen, weil es die entsprechende Ingenieurs-Ausbildung im Westen gar nicht mehr gibt. Nun verbringt der Manager viel Zeit, um mit den Professoren der großen Universitäten ins Gespräch zu kommen. Über Kooperationen will sich Simonis seinen Nachwuchs gleich auf dem Campus angeln.

Längst ist ein regelrechter Kampf um die klügsten Köpfe in aufstrebenden Nationen wie Rumänien ausgebrochen. Warum das so ist? Ein Blick auf das Bürogebäude, in das sich Infineon eingemietet hat, reicht, um den Wettbewerb zu verstehen.

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