Globalisierungswelle
Einkäufer als Trendscouts

Dieses Jahrzehnt gehört den Einkäufern. In den 70er-Jahren feierten die Unternehmen die Controller, in den 80ern die Marketingexperten, die 90er gehörten den Prozessoptimierern. Seit 2000 läuft die Globalisierungswelle. Jetzt hat die Stunde der Einkäufer geschlagen. Die Unternehmen haben ihnen erhebliche Ertragssteigerungen zu verdanken.

DÜSSELDORF. Den iPod erfand nicht etwa ein genialer Entwickler von Apple. Der iPod ging auf das Konto eines Einkäufers, der mit seinem siebten Sinn für Verkaufsrenner dem Top-Management einen Tipp gab, als ihm ein Zulieferer von der Produktidee eines tragbaren MP3-Players erzählte.

Auch die erste elektrische Wegwerfzahnbürste für fünf Dollar dachte sich keiner der 7 000 Forscher und Entwickler von Procter & Gamble aus. Ein Einkäufer holte die Innovation ins Haus, die zum Bestseller wurde und dem Konzern jetzt jährlich 200 Millionen Dollar Umsatz beschert. Jahrelang sollen die P&G-Ingenieure zuvor nach einer Lösung gesucht haben, um batteriegetriebene Zahnbürsten möglichst billig herzustellen. Unter 15 Euro pro Stück sahen sie für die Produktion keine Chance. Die entscheidende Inspiration für die Einwegzahnbürste gab ein Hersteller von batteriegetriebenen Lollis.

Der P&G-Einkauf schlug zu – und soll dies in Zukunft immer häufiger tun. Denn die P&G-Führungsspitze hat entschieden, dass 50 Prozent der Innovationen künftig von draußen kommen sollen. Der Grund: Im Kompetenzbereich von P&G sind weltweit rund anderthalb Millionen Wissenschaftler tätig. „Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass man gemeinsam die besseren Produkte herstellt“, erläutert Larry Houston, Innovationschef von P&G die neue Einkaufsstrategie.



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Das Fazit: Ohne schlagkräftige Einkaufsabteilung, die weiß, wo auf der Welt welche Innovationen zu haben sind und wo was am günstigsten und qualitativ hochwertigsten hergestellt werden kann, kommen Unternehmen bald kaum mehr aus. Die Zeiten sind vorbei, in denen Einkäufer nur als Sparkommissare und Rabattjäger eingesetzt wurden. Jetzt sind sie als Trendscout für Innovation gefragt, als Beziehungsmanager für weltweit umworbene Top-Lieferanten und Architekten globaler Wertschöpfungsketten. Unternehmen mit gut ausgebildeten Einkäufern sind im Vergleich zur Konkurrenz eindeutig finanziell erfolgreicher. Das belegt jetzt auch eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die Berater haben die Einkaufschefs von rund 200 führenden Unternehmen weltweit befragt. Das Ergebnis: Unternehmen mit Top-Einkäufern erzielen sechsmal höhere Einsparquoten pro Jahr als ihre Wettbewerber. Und: Ihr Ertrag vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen – kurz Ebitda – fällt fast anderthalbmal so hoch aus wie der von Firmen, die keinen besonderen Wert auf eine starke Einkaufsabteilung legen.

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