GM
„Big Ed“ Whitacre setzt sich allein ans Lenkrad

Bei GM muss sich einiges ändern, findet Edward Whitacre jr. - und er meint es ernst: Zuerst legte der von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Kontrolleur Vorstandschef Frederick Henderson den Rücktritt nahe und ernannte sich selbst zum CEO. Nun bastelt der 68-Jährige fieberhaft am neuen GM-Konzern und sucht hierfür viel frisches Blut von außen.
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NEW YORK. Schon mit seinen 1,93 Meter Körpergröße wirkt Edward Whitacre jr. wie ein Hüne, doch erst die Kameraeinstellung macht ihn zum Riesen. Die silberfarbenen Limousinen, an denen er im Design-Studio von General Motors vorbeispaziert, überragt der Mann im schwarzen Anzug locker um die Hälfte. „Testen Sie uns, testen Sie uns gegen alle“, fordert Whitacre im breiten Südstaaten-Akzent: „Der Bessere möge gewinnen.“

Der aktuelle Werbespot des größten US-Autokonzerns veranschaulicht, was seit Dienstagabend beschlossene Sache ist: Edward Whitacre, genannt „Big Ed“, thront hoch über GM. Der von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Kontrolleur ist mächtiger als die meisten Vorstandschefs in den Vereinigten Staaten. Größer als jedes Auto. Und so resolut wie eh und je.

„Es müssen Veränderungen her“, befand der 68-Jährige kurz und knapp. Also legte er Vorstandschef Frederick Henderson den Rücktritt nahe und ernannte sich mit sofortiger Wirkung selbst zum CEO, wenn auch nur auf Interimsbasis. Der Personalwechsel hatte sich abgezeichnet, wenn auch nicht in der Schnelligkeit. Henderson war noch keine neun Monate im Dienst, kürzer als jeder andere GM-Vorstandschef vor ihm.

Einen Kulturwandel, wie ihn nicht zuletzt Präsident Obama verlangt, könne man in so kurzer Zeit nicht hinbekommen, sagt David Cole vom Center for Automotive Research in Ann Arbor, Michigan. Er wirft dem im Sommer neu besetzten Verwaltungsrat vor, mit Blick auf GM unrealistische Erwartungen zu haben. Doch die Beteiligten stehen schwer unter Druck, schließlich hat Washington bereits mehr als 50 Mrd. Dollar Steuergeld in den kranken Auto-Riesen gepumpt und dafür vorübergehend 60 Prozent der GM-Anteile übernommen. Die massive Staatsintervention ist in der Öffentlichkeit höchst umstritten, und Obama braucht möglichst rasch ein Ausstiegs-Szenario, um die Wählerschaft zu beruhigen. Unter Whitacre, dem notorisch Ungeduldigen, soll deshalb auch Unmögliches möglich gemacht werden.

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