GM
Feuerprobe für den Novizen

Der Erfolg des GM-Börsengangs hängt von Christopher Liddell, dem neuen Finanzchef des US-Autokonzerns ab. Erst seit Anfang des Jahres ist der Neuseeländer oberster Herr der Zahlen in Detroit. Doch im Unternehmen genießt er schon jetzt ein hohes Ansehen.
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FRANKFURT. Überzeugungsarbeit, das ist jetzt Christopher Liddells Job. Mit ruhiger Stimme erläutert der Finanzchef des zurück an die Börse eilenden US-Autokonzerns General Motors die Neuordnung der Finanzen. Er nimmt sich Zeit, geht auch auf die x-te Nachfrage der Analysten ein. Es ist Show-Time für den Kostenkiller: Zwei Wochen vor dem geplanten Comeback an der Börse startet der frühere Microsoft-Manager heute die ersten Informationsveranstaltungen für potenzielle Großaktionäre, die sogenannte Road-Show. Der Börsengang selbst soll voraussichtlich am 18. November über die Bühne gehen.

Der 52-jährige Topmanager weiß, dass er noch Vertrauen gewinnen muss. Erfolg oder Misserfolg des GM-IPO, der zu den größten dieses Jahres zählt, wird auch maßgeblich von Liddell und seiner Überzeugungskraft bei Banken, Investoren, Analysten und Kleinanlegern abhängen. Liddell hat dabei einen großen Vorteil: Er markiert selbst einen Teil des Neuanfangs von GM. Erst seit Anfang des Jahres ist der Neuseeländer oberster Herr der Zahlen in Detroit. Zwischenzeitlich wurde er sogar als neuer GM-Boss gehandelt.

Doch daraus wurde nichts. Der Verwaltungsrat übergab im August Dan Akerson, einem Veteranen der Private-Equity-Gesellschaft Carlyle, das Steuer von GM. Liddell blieb trotzdem - und muss in den kommenden zwei Wochen nun seine Feuerprobe im neuen Konzern meistern. Viel Zeit zur Vorbereitung des Milliarden-Börsengangs hat der Manager mit den freundlichen Augen und dem raspelkurzen Haarschnitt nicht bekommen.

Die nötige Energie dafür aber hat er. Liddell erfüllt perfekt das US-Klischee eines Neuseeländers: Er ist groß, stark und ein harter Brocken. Der passionierte Rugbyspieler ist auch im Job ein unangenehmer Gegner. Zur genetischen Disposition eines Finanzchefs gehöre es nun einmal, der Typ zu sein, "der den Leuten am Ende einer Party die Drinks wegnimmt", scherzte er, als er noch im Sold von Microsoft stand. Auch bei GM ist die Zeit der Freigetränke mit ihm endgültig vorbei.

Erste Erfolge kann der eisenharte Kostendrücker, den GM im vergangenen Dezember vom Softwareriesen Microsoft weglotste, schon vorweisen. Seit diesem Jahr schreibt GM wieder dicke Gewinne. Doch vielen Analysten geht es mit dem Eilmarsch zurück an die Börse deutlich zu schnell. Schließlich liegt die Insolvenz des US-Riesen gerade ein gutes Jahr zurück. Liddell muss sich also in den nächsten Tagen auf hartnäckige und kritische Fragen gefasst machen. Er sollte dafür gute Antworten parat haben, denn auch privat geht es beim Börsengang für den Partyschreck um viel.

Schon bei seinem Wechsel ließ sich der Manager eine Klausel in den Vertrag schreiben, die ihm beim Börsengang einen dicken Bonus sichert. Zusätzlich zu seinem Jahressalär von 750 000 Dollar erhält er Optionen auf 5,45 Mio. Aktien, wenn der Sprung auf das Parkett gelingt. So viel ist sicher: Der GM-Novize wird sich ins Zeug legen.

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