GM-Verwaltungsratschef
„Big Ed“ will Opel behalten

General Motors steht kopf, und der neue Kopf heißt Edward Whitacre: ein hünenhafter Mann aus Texas, 1,94 Meter groß, „Big Ed“ genannt. Er hat maßgeblich dafür, dass Opel bei GM verbleibt.

DETROIT/NEW YORK. Das weiße Haar kündet von einer langen Karriere, die sonnengebräunte Haut von einer erfolgreichen. Das Lebenswerk des heute 69-Jährigen heißt AT&T: eine Firma, die unter seiner Führung zum mit Abstand weltgrößten Telekom-Konzern aufstieg. Unternehmen kaufen, Synergien heben, in großen Bildern denken – das ist die Welt von „Big Ed“.

Vom Autobauen, sagt Whitacre selber, habe er keine Ahnung. Dafür gibt es Spezialisten wie Frederick Henderson, den langjährigen GM-Manager und Vorstandschef von Whitacres Gnaden. Die neuen Machtverhältnisse unter den Türmen von Detroit sind spätestens mit dem abgeblasenen Opel-Verkauf offensichtlich. Henderson, der CEO, wollte die Trennung vom Europageschäft. Whitacre, der Chairman, hat anders entschieden. Zwar stehen dem Autokonzern noch harte personelle Einschnitte bevor, insbesondere in den Führungsetagen. Doch perspektivisch soll GM unter Whitacre wieder wachsen, nicht schrumpfen. „Die Aufsichtsratsmitglieder werden sich an der Arbeit für den Wiederaufstieg beteiligen“, hat Whitacre zum Start bei GM gesagt. Vorstandschef Henderson musste das als Drohung verstehen, zumal Whitacre als hochgradig ungeduldig gilt und kein Freund der Diplomatenschule ist. Seinem Nachfolger bei AT&T riet er einst: „Mach ihnen die Hölle heiß!“

Für GM gilt das umso mehr. 60 Mrd. Dollar hat Washington nach Detroit gepumpt, um einen Zusammenbruch der US-Autoindustrie zu verhindern. Präsident Barack Obama sandte bewusst eine starke Figur ins GM-Board, um gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, dass er höchstpersönlich einen Autokonzern leiten wolle. Den Durchgriff auf GM hätte er: 60 Prozent der GM-Anteile liegen derzeit im Besitz der US-Regierung – „vorübergehend“, wie es immer wieder aus Washington heißt. „Meine oberste Verpflichtung gilt den Aktionären, und der größte Aktionär ist der US-Steuerzahler“, betonte Whitacre zwar. Doch der routinierte Macher, das hat Obama versprochen, soll sich frei bewegen können, um wenigstens einen Teil der Steuerzahler-Milliarden zu retten und GM nach der Insolvenz wieder attraktiv zu machen für Investoren.

Je länger sich Whitacre mit seinem neu besetzten Verwaltungsrat bei GM umschaute, desto größer wurden die Bauchschmerzen, mit dem Europageschäft einen zentralen Teil des einst weltgrößten Autokonzerns abzustoßen.

Whitacre ist Wachstumsfanatiker, kein Nischenspieler. 1963 ging er in die Telekombranche, zwischen 1990 und 2007 war er Vorstandschef von AT&T. Zug um Zug kaufte er regionale Telefongesellschaften auf und machte AT&T zum größten Telekommunikationsanbieter der USA. Es gehe bei GM „nicht in erster Linie um Autos“, sondern „um die Neuerschaffung eines Konzerns für das 21. Jahrhundert“, sagt Jim Hall, Autoexperte bei 2953 Analytics. Für diese Aufgabe sei Whitacre der richtige Mann, weil er den frischen Blick eines Außenstehenden auf die Autometropole Detroit habe.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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