Göttinger Gruppe insolvent
Das Ende eines langen Ringens

Die Göttinger Gruppe (GG) ist pleite. Jahrelang hat der niedersächsische Finanzdienstleister wegen seines Geschäftsmodells die Gerichte beschäftigt. Anlegerschützer und Anwälte befürchten, dass der Insolvenzverwalter nun von den GG-Sparern, die zwischenzeitlich Rückzahlungen erhalten haben, Geld zurückfordern wird.

DÜSSELDORF. Das Management der höchst umstrittenen Finanzanlagegesellschaft stellte am Donnerstag Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg. Das gab die Berliner Kanzlei Leonhardt, Westhelle und Partner am Freitag bekannt. Parallel hatte ein Anleger Insolvenzantrag gegen die Securenta AG, die Kerngesellschaft der Gruppe, beim Amtsgericht Göttingen gestellt. Der Schaden für die Anleger wird nach Schätzungen von Anwälten mehrere Hundert Millionen Euro betragen. Die GG und ihr Management sind zu Stellungnahmen nicht zu erreichen. Am Wochenende wurde die Web-Site der Gesellschaft, die gerade dabei war, ihren Sitz von Göttingen nach Berlin zu verlegen, abgestellt.

Die GG hatte in den 1990er-Jahren bei etwa 80 000 Anlegern mehr als eine Mrd. Euro eingesammelt. Geworben wurde mit dem Aufbau der Altersvorsorge über Einmalzahlungen oder in Raten, oft auch in einer Kombination aus beidem. Vereinbart wurden Laufzeiten von bis zu 40 Jahren. Das Geld floss in ein für Anleger nicht zu durchschauendes Firmengeflecht. Wegen unterlassener Risikohinweise wurde die GG in den vergangenen Jahren mit Schadenersatzprozessen überhäuft. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt seit dem Jahr 2004 wegen Insolvenzverschleppung und dehnt nun ihre Untersuchungen auf Verdacht auf Anlagebetrug aus, nachdem den Ermittlern Strafanzeigen wegen Nichtauszahlung von stillen Beteiligungen vorliegen. Frühere Ermittlungen wegen Anlagebetrugs waren eingestellt worden.

Stille Beteiligungen ähneln Gesellschafterdarlehen. Im Prinzip werden vom Ergebnis abhängig Zinsen gezahlt. Die von der GG überwiegend vertriebenen so genannten atypischen stillen Anteile beteiligen die Anleger allerdings auch am Verlust. Dass so spät erst Anzeigen wegen nicht ausgezahlter Beteiligungen eintreffen, liegt an der langen Laufzeit der Verträge.

Nachdem seit nunmehr sieben Jahren über die Insolvenz der GG spekuliert wurde, deutete sich das endgültige Ende in der vergangenen Woche an. Beim Amtsgericht Göttingen waren mehr als 200 zivilrechtliche Haftbefehle gegen die Securenta-Vorstände Jürgen Rinnewitz und Marina Götz sowie den Geschäftsführer der Göttinger Gruppe Beteiligungs- GmbH, Martin Vaupel, erlassen worden. Anleger, die Schadenersatzprozesse gewonnen oder Vergleiche mit der GG geschlossen hatten, aber von der GG kein Geld erhielten, versuchten auf diese Weise die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung gegenüber dem Führungstrio durchzusetzen. In einer eidesstattlichen Versicherung offenbart der Betroffene, über welches Vermögen er verfügt.

Anlegerschützer und Anwälte befürchten aber, dass der Insolvenzverwalter nun von den GG-Sparern, die zwischenzeitlich Rückzahlungen erhalten haben, Geld zurückfordern wird.

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