Göttinger Gruppe insolvent
Pleite mit Ansage

Die Pleite der Göttinger Gruppe war absehbar: Die Konzern-Struktur macht klar, dass dieses Unternehmen nicht auf eine seriöse Geldanlage ausgerichtet war. Dennoch konnte die Gruppe sich gegen Kritik lange behaupten. Denn die Gerichte waren überfordert - ein dunkles Kapitel der deutschen Justiz.

DÜSSELDORF. Die Göttinger Gruppe wurde vor mehr als 20 Jahren von Erwin Zacharias gegründet. In der Öffentlichkeit besser bekannt ist Jürgen Rinnewitz, der langjährige Vorstandsvorsitzende des Konzerns. Kernprodukt der Gruppe war die "Securente", ein langfristiger Sparplan, bei dem Geld in Unternehmensbeteiligungen investiert wird.

Spätestens seit 1994 gab es einen Rechtsstreit, weil der Anlegerschutzbrief DFI-Gerlach-Report der Gruppe vorwarf, ein Schneeballsystem zu betreiben. Es kam zeitgleich zu mehreren Prozessen; so stritt die Gruppe auch mit dem Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, weil sie eine Vollbanklizenz für ihre Konzernmutter, die Securenta AG, haben wollte.

Im Sommer 1998 musste Rinnewitz gegenüber dem Handelsblatt einräumen, dass die Unternehmen, in die das Geld der Anleger investiert wurde, "überwiegend" innerhalb der eigenen Gruppe Geschäfte machten. Im Jahr 2000 wurde der Vertrieb der Securente dann eingestellt. Und zurzeit passiert genau das, was seit mehr als zehn Jahren absehbar ist: Die Gruppe ist zahlungsunfähig.

Wer die Struktur der Göttinger Gruppe analysiert hat, für den war von Anfang klar, dass dieser Konzern nicht auf eine seriöse Geldanlage ausgerichtet war. Es gab zwar einige kleinere Tochtergesellschaften, die für sich besehen gesund waren - am bekanntesten der Versicherer Gutingia, der vor einigen Monaten an die Fortis-Gruppe verkauft wurde. Zum größten Teil war aber der erklärte Zweck der Konzerngesellschaften der Vertrieb. Der Konzern sammelte Geld von Anlegern ein und investierte in Unternehmen, die neue Anleger anwarben und dafür vom Konzern selbst Provisionen bekamen. Das ganze System war zu weiten Teilen ein Kreislauf, der nur funktionieren konnte, so lange immer neue Anleger angeworben wurden. Im Prinzip passierte dasselbe wie bei den zahlreichen Anlagebetrugsgesellschaften, die einfach Geld einsammeln und direkt die Renditen der ersten Anleger aus den Beiträgen der folgenden bezahlen. Die Göttinger Gruppe hat diese Struktur lediglich durch einen Wust von Tochtergesellschaften verschleiert. Weil es sich juristisch so um eine Anlage in Unternehmensbeteiligungen handelte, war die Bankenaufsicht auch nicht zuständig und konnte letztlich nicht eingreifen, obwohl ihr die Probleme bekannt waren. Im Jahr 1998 hatte die Gruppe nach Angaben von Rinnewitz 760 Millionen D-Mark eingesammelt.

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