Goleo schüttelte sich das Gift aus dem Fell
Wie das Land, so das Maskottchen

Mit dem Confed Cup startet das WM-Maskottchen Goleo seinen geschäftlichen Siegeszug im Auftrag der Fifa. Aber in einem Land, das sich in seiner Agonie begeistert suhlt wie eine Sau im Schlamm, wird auch ein Hoffnungsträger gleich niedergemacht.

Es war ein trauriger erster Auftritt für den obersten Repräsentanten eines Millionenprojektes. „Mal ehrlich, einer deiner Vorfahren hatte mal was mit einem Lama gehabt?“ musste sich der Vorzeigemanager des deutschen Hoffnungsprojekts Fußball-WM 2006 von Thomas Gottschalk fragen lassen.

Entwürdigend.

Dabei soll doch er, Goleo, der Chefrepräsentant, Deutschland ins Fieber stürzen, ins Vorfreudezittern auf die WM im eigenen Land. Er könnte die Führungsfigur sein, die die Nation so dringend braucht. Ach ja, Kasse machen soll er auch noch. Für den Weltfußballverband Fifa.

So ist es halt in dem Land, das sich in seiner Agonie begeistert suhlt wie eine Sau im Schlamm: Auch Hoffnungsträger werden niedergemacht. „Wenig Kultur“ machte die „Welt“ an ihm aus, für „träge und besserwisserisch“ hielt ihn die „Tageszeitung“, „geschlechts- und gesichtslos“ fand ihn die „Zeit“.

So mancher Vorstandschef hätte angesichts dieser Salven seinen Posten gleich wieder geräumt. Goleo aber schüttelte sich das Gift aus dem Fell. Wahre Titanen scheren sich nicht um Parasiten, die zu ihren Füßen krauchen.

Und ein Titan ist er, nicht nur wegen seiner 2,30 Meter Körpergröße. Gestern Abend nahm er seine Repräsentationspflichten mit dem Anpfiff zum Confed Cups auf, es ist der Beginn eines Gegenschlags, der kühl kalkuliert wurde von ihm und seinen Hintermännern.

Denn Goleo ist nur außen plüschig-knuddelig. In ihm steckt ein Machttier mit Ellenbogenmentalität. Er ist wie das WM-Gastgeberland: außen noch kuschelig-sozial-rot-grün, innen schon stahlhart-liberal-schwarz-gelb.

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