Google-Chef Eric Schmidt: Auf Goodwill-Tour im Land der Street-View-Gegner

Google-Chef Eric Schmidt
Auf Goodwill-Tour im Land der Street-View-Gegner

Der Google-Chef ist auf Europa-Mission. Er geht auf Tuchfühlung zu deutschen Kritikern und den Verfechtern einer Google-Steuer in Frankreich. Der 55-jährige Vorstandschef gilt längst auch in Europa als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Wirtschaft.
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DÜSSELDORF. Eric Schmidt stellt sich seinen Kritikern: Als Gastredner der Ifa, der Internationalen Funkausstellung, kommt er am Dienstag nach Berlin. Auf der Messe spricht der Google-Chef über das Fernsehen der Zukunft und hinter den Kulissen mit Politikern und Datenschützern über seinen umstrittenen Bilderdienst Street View, um die Wogen der Empörung zu glätten. Auf Street View sollen bei Google die Straßen der 20 größten deutschen Städte im Internet abrufbar sein.

Der 55-jährige Vorstandschef des mächtigsten Internetkonzerns der Welt gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der US-Wirtschaft und mittlerweile sogar in Europa. Auf internationalen Bühnen wie dem World Economic Forum in Davos oder den Digital Lifestyle Days von Internet-Pionier Hubert Burda in München ist er gern gesehener Gast.

Interviews gibt er dann kaum, dafür aber sucht er von morgens bis abends die Nähe zu Politik und Wirtschaftsführern. Bei Google ist das Lobbying auf Top-Ebene Chefsache. Schmidt war einer der spendabelsten Sponsoren des Wahlkampfs von Barack Obama und galt lange Zeit als Favorit für den Posten eines Internet- und Technologieministers. Doch letztlich blieb Schmidt, dessen Vermögen zu großen Teilen aus Google-Anteilen besteht und auf über sechs Mrd. Dollar geschätzt wird, lieber im "Googleplex" im kalifornischen Mountain View. Das raumschiffartige Epizentrum der Macht im Silicon Valley, Zentrale des Unternehmens, dessen Siegeszug der studierte Doktor der Informatik der Universität Berkeley praktisch von Anfang an mit begleitet hat.

Davor war der Hobbypilot über 20 Jahre lang in leitenden Funktionen bei namhaften US-Technologieunternehmen tätig, zuletzt bei Sun Computersystems und als CEO beim Software- und Netzwerk-Spezialisten Novell. Aus dieser Zeit stammt auch seine Leidenschaft für die Bereitstellung von Software und Dienstleistungen im Internet. Schon damals, erklärte er dem Handelsblatt, wollte er diese Pläne verwirklichen, aber die Technologie war noch nicht so weit. Seitdem hat sich einiges getan, und mit Googles Macht im Rücken kommt er seinem Ziel jetzt näher.

Zu Google stieß der Manager mit der bedächtigen, aber trotzdem aktiven Art im Jahr 2001. Er sollte die beiden jungen Gründer beraten und das Management professionalisieren. Schmidt gilt als besonnener Vermittler, aber auch als Visionär, und wenn er mal in die Öffentlichkeit tritt, dann nimmt er kein Blatt vor den Mund. Angesichts der Debatte über Datenschutz regte er jüngst in einem TV-Gespräch an, dass man allen Jugendlichen mit 18 Jahren das Recht einräumen sollte, ihren Namen zu wechseln, um sich so von ihrer Netzvergangenheit lösen zu können.

Mit solchen Ideen sollte der verheiratete Familienvater in Berlin lieber nicht aufwarten und schon gar nicht in Frankreich, wohin er von Berlin aus weiterreisen wird, wie aus seinem Umfeld zu erfahren war. Hier droht seit Anfang 2010 Ungemach: eine "Google-Steuer" auf Online-Werbeeinnahmen soll dazu genutzt werden, um französische Konkurrenten künstlich am Leben zu erhalten oder neue Wettbewerber zu unterstützen. Feuerwehr-Chef Schmidt will mit Präsident Nicolas Sarkozy nun persönlich verhandeln. Sarkozy hatte in einer Rede vor Kulturschaffenden im Januar das Finanzministerium dazu aufgefordert, die Besteuerung der Werbeeinnahmen aller großen Suchmaschinen zu prüfen.

Verschärft hat sich die Anti-Google-Stimmung in Frankreich durch das Street-View-Debakel, bei dem nebenbei WLAN-Zugangsdaten zu privaten Hotspots gesammelt wurden. Das Problem: Street-View ist in der Grande Nation schon lange online, die Daten sind gespeichert und verwertet. Jetzt ist Diplomatie gefragt - und der Chef persönlich.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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