Google-Chefjustiziar
Der stille Stratege

David Drummond scheut das Rampenlicht, der Chefjustiziar des Suchmaschinenbetreibers Google arbeitet lieber im Hintergrund. Aber wenn er mal öffentlich redet, dann hört jeder genau zu im Silicon Valley.

MOUNTAIN VIEW. Ein Polizist hätte ihnen beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Um drei Uhr nachts standen sie auf dem Parkplatz eines Restaurants im kalifornischen Redwood City. Sie tauschten einige Papiere aus, als ein Streifenwagen in sicherer Entfernung stoppte und seine Scheinwerfer auf zwei Männer richtete: einen jungen Asiaten und einen hochgewachsenen Schwarzen in Jeans und mit Baseballkappe.

Der Polizist nahm sie über seinen Außenlautsprecher ins Kreuzverhör. Er vermutete, zwei Drogenhändler erwischt zu haben. Doch was nach einem illegalen Geschäft aussah, war die Vorbereitung eines großen Deals, der kurze Zeit später das Silicon Valley erschütterte: die Übernahme des Videoportals Youtube durch den Suchmaschinenbetreiber Google.

Der Polizist hatte David Drummond, Google-Chefjustiziar, und Gideon Yu, Youtube-Finanzvorstand, ertappt, als sie im vergangenen Herbst auf einem Parkplatz letzte Details des Milliardenkaufs regelten.

So zumindest schildert das Szenemagazin für die Internetbranche „Valleywag“ die finalen Verhandlungen zwischen Google und Youtube. Und das ungewöhnliche Vorgehen würde auch passen zu David Drummond. Er ist die graue Eminenz hinter Google-Chef Eric Schmidt.

Stets ist der Jurist auf Diskretion aus, geht aber durchaus auch hemdsärmelig zur Sache. Als Chief Legal Officer übernimmt er die Detailarbeit bei allen Deals. Doch sein Rat entscheidet auch darüber, ob ein Geschäft überhaupt zustande kommt.

Auch jetzt wieder, falls das Unternehmen in den kommenden Tagen bekanntgeben sollte, dass es für den Konkurrenten Yahoo die Suchmaschinenwerbung übernimmt und damit seine Dominanz im Netz ausbaut. Schon allein die Ankündigung reichte aus, um den Softwarehersteller Microsoft zu verunsichern und dem Konzern ein Argument zu liefern, die geplante Yahoo-Übernahme abzusagen.

Microsoft-Chef Steve Ballmer hat sein Angebot an Yahoo am Wochenende überraschend zurückgezogen und dies mit Preisdifferenzen begründet. Doch für Branchenkenner ist klar: Wenn Microsoft im Online-Werbemarkt Fuß fassen und zu Google aufschließen will, kann es eine Yahoo-Google-Kooperation nicht gebrauchen.

Kommt diese jetzt auch wirklich zustande, oder war die Ankündigung nur dazu gedacht, Microsoft von Yahoo abzubringen? Derzeit steht nur eines fest: David Drummonds Urteil wird dabei eine große Rolle spielen. Der Mann ist stets dabei, wenn Google-Chef Schmidt wichtige Entscheidungen trifft.

Nur in der Öffentlichkeit, da taucht Drummond kaum auf. Er arbeitet lieber im Hintergrund. Interviewanfragen lehnt er stets ab.

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