Gottschalk ist zurückgetreten
Autoindustrie sucht Chef-Lobbyisten

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Bernd Gottschalk, hat am Wochenende seinen Rücktritt erklärt. Über die Gründe kann nur gemutmaßt werden. Fest steht aber: Es muss schnell ein Nachfolger her. Mehrere Namen kursieren schon. Es sind allesamt hochkarätige Automanager.

FRANKFURT. Einen Grund für seinen Rücktritt nannte Gottschalk zwar nicht. In Branchenkreisen heißt es aber, dass viele große Hersteller äußerst unzufrieden mit der Verbandsarbeit in der Klimaschutz-Debatte waren und dem 63-Jährigen zu zögerlicheres Vorgehen vorgeworfen hatten.

Hinter den Kulissen hat bereits die Suche nach einem Nachfolger für Gottschalk begonnen. Da für den Posten in der Regel nur verdiente Automanager ohne aktives Amt in Frage kommen, sehen Branchenkenner gleich mehrere hochkarätige Namen im Kandidatenkreis: Einmal Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder, dem so ein gesichtswahrender Abgang in Wolfsburg ermöglicht werden könnte. Dann Ex-BMW-Chef Helmut Panke, der bei seinem Abschied 2006 keinesfalls amtsmüde war, und auch noch keine adäquate neue Stelle hat. In Betracht kommt schließlich auch Ex-Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, der stets betonte, er sei nicht zum Rosenzüchten geeignet.

Auf den Neuen an der VDA-Spitze wartet eine Menge Arbeit. Die deutschen Premiumhersteller waren in den vergangenen Wochen schwer in die Defensive geraten. So hatte selbst Bundespräsident Horst Köhler die deutsche Automobilindustrie scharf kritisiert und ihr Versäumnisse beim Klimaschutz vorgeworfen. Vor allem den deutschen Premium-Autobauern BMW, Mercedes, Porsche und Audi fällt es schwer, die in einer Selbstverpflichtung der Branche versprochene Senkung des Kohlendioxidausstoßes auf 140 Gramm pro Kilometer im im Flottendurchschnitt zu erreichen. Grund sind ihre großen Modelle. Dass die deutschen Marken zu den Technologieführern auch in der Umwelttechnik zählen, ging in der Debatte oft unter.

Viele Automanager warfen Gottschalk hinter den Kulissen vor, nicht lautstark genug die Argumente des Verbandes vorgetragen zu haben. So sammelte der japanische Autobauer Toyota mit seinem Hybridantrieb wichtige Imagepunkte in Sachen Umweltschutz ein, obwohl der CO2-Ausstoß der Toyota-Flotte höher liegt als der von VW. „Ich habe mir keine Versäumnisse in der Debatte vorzuwerfen“, betonte Gottschalk noch kürzlich. Führende Automanager wie Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche hatten sich Mitte letzter Woche auf dem Autosalon in Genf auch noch schützend vor den Ex-Daimler-Manager gestellt. Doch VW-Chef Martin Winterkorn, BMW-Boss Norbert Reithofer und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking registrierten mit Säuernis, dass vor allem die deutschen Marken am Pranger stehen.

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