Gouverneurswahl New York: Kandidat Eliot Spitzer
Aktenfresser mit Kreuzritter-Mentalität

Der Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer hat gute Chancen, News Yorks nächster Gouverneur zu werden. Der 47-Jährige verdankt seine Popularität jener Hartnäckigkeit, mit der er in den letzten vier Jahren an der Wall Street aufgeräumt hat.

NEW YORK. Die Lippen sind zusammengepresst, die Augen leuchten, der Arm ist zum Siegeszeichen hochgereckt: Eliot Spitzer hat die erste Hürde auf dem Weg zum Gouverneur des US-Bundesstaates New York locker genommen. Mit 81 Prozent der Stimmen hat er seinen demokratischen Konkurrenten Thomas Suozzi in der Vorwahl weit hinter sich gelassen. Der New Yorker Generalstaatsanwalt ist damit der offizielle Kandidat seiner Partei für die Gouverneurswahl im November.

Und der 47-Jährige hat gute Chancen, auch im November vorn zu liegen. Sein republikanischer Konkurrent John Faso wird von dem ehrgeizigen Staatsanwalt förmlich überrollt. "Viele glauben, dass man sich die Wahl schenken kann und Herrn Spitzer nur noch krönen muss", räumte Faso jüngst in einem Interview ein.

Spitzer verdankt seine Popularität jener Hartnäckigkeit, mit der er in den letzten vier Jahren an der Wall Street aufgeräumt hat. Erst zwang er die großen Investmentbanken, 1,4 Mrd. Dollar zu zahlen, weil sie über Jahre ihre Aktienanalysen geschönt hatten. Dann beendete er die dubiose Praxis einiger Banken, bei Neuemissionen attraktive Aktienpakte einfach ihren besten Kunden zuzuschieben. Die Fondsgesellschaften mussten zahlen, weil sie Kleinkunden benachteiligt hatten, die Versicherungsmakler, weil sie angeblich von der Assekuranz illegale Gebühren für die Vermittlung von Policen kassierten.

Sheriff der Wall Street

"Viele Leute haben mir gesagt, ein Mann kann es nicht mit der Wall Street aufnehmen", ruft Spitzer seinen Anhängern in einem Restaurant im Stadtteil Harlem zu. Doch der Mann mit dem länglichen Gesicht und der hohen Stirn hat sie alle widerlegt. Als Gouverneur werde er für Werte wie Ehrlichkeit, Integrität, Fairness und Anstand einstehen, verspricht Spitzer - und der Saal tobt.

Der "Sheriff der Wall Street" hat es immer geschickt verstanden, sich als Anwalt der kleinen Leute zu präsentieren. Das US-Magazin "Time" kürte ihn gar zum "Kreuzritter des Jahres". Spitzer geht bei den meisten seiner Fälle immer nach dem gleichen Muster vor: Er durchwühlt Aktenberge und E-Mails, konfrontiert die Betroffenen mit kompromittierenden Belegen und zwingt dann die vermeintlichen Übeltäter zu einer außergerichtlichen Einigung und zur Zahlung eines hohen Bußgeldes. Mehr als sechs Mrd. Dollar hat er so bereits eingesammelt.

Kritiker werfen ihm allerdings vor, er hätte seine Anklagen noch niemals vor einem Gericht durchfechten müssen. Doch bald kommt es zur ersten Nagelprobe: Der frühere Börsenchef Dick Grasso will Spitzers Vorwurf, er habe sich als Manager der New York Stock Exchange illegal bereichert, von einem Gericht klären lassen. Das Verfahren beginnt Mitte Oktober. Es könnte die Gouverneurswahl noch beeinflussen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%