Graphit Kropfmühl
Heinz Schimmelbusch kehrt zurück

Sein Abschied war spektakulär, seine Rückkehr erfolgt fast unbemerkt. Als Heinz Schimmelbusch (63) vor 15 Jahren fluchtartig die Bundesrepublik verließ, blieben 1,6 Milliarden Euro Schulden zurück, das pleitebedrohte Paradeunternehmen Metallgesellschaft (MG) und eine düpierte Deutsche Bank als Großaktionär. Nun steht der Österreicher wieder an der Spitze einer deutschen AG.

DÜSSELDORF. Schimmelbusch hatte 1993 mit riskanten Öltermingeschäften die MG an die Wand gefahren. Jetzt kehrt er als neuer Eigentümer einer traditionsreichen, wenn auch kleinen Aktiengesellschaft zurück. Schimmelbusch ist neuer Hauptaktionär und Aufsichtsratschef der börsennotierten Graphit Kropfmühl AG nahe Passau.

Am 3. Juli zur Hauptversammlung des Unternehmens in München wird der schillernde Manager nach anderthalb Jahrzehnten wieder seinen ersten großen Auftritt in Deutschland haben. Dann wird sich zeigen, ob „Schibu“, wie er intern tituliert wird, eher die Rolle des unternehmerischen Visionärs oder des Grobians spielen möchte. Denn beide Rollen beherrschte der umtriebige Mann perfekt. Deshalb passte es auch gar nicht zu ihm, dass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen den selbstbewussten Manager damals ins Ausland trieben. Genauer gesagt: Schimmelbusch setzte sich in die USA ab. Er fürchtete einen Haftbefehl unter anderem wegen Untreue.

In den Staaten tauchte er zunächst wieder als Manager einer Beteiligungsgesellschaft auf, später auch als Einkäufer von Teilen des MG-Imperiums. Deshalb ist Schimmelbusch schon an mehreren kleinen Unternehmen in Deutschland beteiligt, die aber alle nicht börsennotiert sind.

Als Aufsichtsratsvorsitzender bei Graphit Kropfmühl kann er sich nun nicht mehr verstecken. Seine neuen Engagements kreisen um das Alte. Umwelttechnik und Metallurgie. Die Zahlen sind – verglichen mit der alten MG, die zu den führenden deutschen Industriekonzernen zählte – natürlich nicht beeindruckend: 38 Millionen Euro Umsatz, 1,9 Millionen Euro Jahresüberschuss, 714 Mitarbeiter, keine Dividende.

Verändert, sagen Menschen, die Schimmelbusch aus früheren Tagen kennen, habe sich der gebürtige Österreicher kaum. Überzeugt von seinen eigenen Fähigkeiten, kämpfte der gefeuerte MG-Chef lange gegen die Darstellung, er habe die Firma zugrunde gerichtet. Vielleicht war deshalb auch Sentimentalität das Motiv Schimmelbuschs, die Rechte an dem Firmennamen Metallgesellschaft zu erwerben. Deren Reste firmieren heute unter GEA und haben nur noch wenig mit dem alten Konzern zu tun.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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