Großaktionär muss um Unterstützung der Arbeitnehmerseite bangen
Haniel drängt an die Spitze des Metro-Aufsichtsrats

Womöglich schon am heutigen Montag werden beim Metro-Konzern in Düsseldorf die ersten Weichen für die Neubesetzung der umstrittenen Aufsichtsratsspitze gestellt.

DÜSSELDORF. Im Bilanz- und Prüfungsausschuss treffen sich nämlich erstmals nach dem überraschenden Rücktritt von Vorstandschef Hans-Joachim Körber offiziell Vertreter des Aufsichtsrats. Dort wird erwartet, dass Eckard Cordes, der zum 1. November den vakanten Posten an der Vorstandsspitze übernimmt und gleichzeitig den Aufsichtsratsvorsitz abgibt, über seinen Nachfolger im Kontrollgremium informiert.

Als aussichtsreichster Kandidat gilt nach wie vor Franz Markus Haniel. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür ließ der 52-jährige Spross des Duisburger Industriellenclans Haniel bereits in der vergangenen Woche schaffen. Wie ein Metro-Sprecher am Freitag bestätigte, liegt dem Handelsregister inzwischen ein Antrag des Vorstands vor, nach dem der in München residierende Konzernerbe in das Metro-Kontrollgremium aufgenommen werden soll. Offen ist jetzt nur noch, ob Haniel auch die Leitung des Aufsichtsrats übernimmt. Dies sei noch nicht entschieden, sagte eine Haniel-Sprecherin. Auch der Wahltermin im Metro-Aufsichtsrat ist noch nicht bekannt.

Seit 31. August hält der Duisburger Familienkonzern gemeinsam mit den Metro-Gründern Rainer und Michael Schmidt-Ruthenbeck 50,01 Prozent und damit die Mehrheit am Düsseldorfer Dax-Konzern. Mit ihren Aktienzukäufen, für die sie rund vier Milliarden Euro auf den Tisch legten, booteten die beiden Großaktionärsfamilien Metro-Mitbegründer Otto Beisheim aus. Der 83-Jährige hatte bis zuletzt Vorstandschef Körber den Rücken gestärkt. Nach Beisheims Machtverlust quittierte dieser vorzeitig das Amt des Vorstandsvorsitzenden, das nun Haniel-Vorstandschef Eckhard Cordes in Personalunion übernimmt.

Dass Haniel neben der operativen Führung jetzt auch die Leitung des Kontrollgremiums in die eigenen Hände nehmen will, stößt indes bei zahlreichen altgedienten Aufsichtsratsmitgliedern auf Ablehnung. Einige drohen sogar hinter vorgehaltener Hand mit Rücktritt. Der Grund: Käme es, wie Konzernbeobachter vermuten, zu einem Teilverkauf der Metro, könnte sich Haniel am Ende das übrig gebliebene Cash-&-Carry-Geschäft selbst einverleiben. In einem solchen Fall befände sich Franz Markus Haniel als Metro-Aufsichtsratschef in einem schweren Interessenkonflikt.

In den vergangenen Tagen wurden deshalb einzelne Aufsichtsratsmitglieder bei Franz Markus Haniel vorstellig, um ihm den Griff nach der Aufsichtsratsspitze auszureden. Auch auf der Arbeitnehmerbank ist man über die Absichten des neuen Großaktionär-Vertreters alles andere als erbaut – zumal Cordes die Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat über den bevorstehenden Wechsel noch nicht einmal offiziell unterrichtet hat. „Ob wir Haniel unterstützen, müssen wir erst noch diskutieren“, sagte ein Aufsichtsrat der Arbeitnehmerseite auf Anfrage. Gegen dessen Wahl zum Vorsitzenden spreche, dass er gerade erst neu in das Kontrollgremium berufen worden sei. „Da gibt es viele im Aufsichtsrat, die mehr Erfahrung besitzen.“

Die Wahl wird folglich spannend. Rechnerisch braucht Haniel 14 der insgesamt 20 Stimmen im Aufsichtsrat, der zur Hälfte von der Arbeitnehmerseite besetzt ist. Doch auch die ist gespalten. Als Vertreter der Leitenden Angestellten spielt Hubert Frieling eine Sonderrolle. Als Bereichsleiter der Konzerntochter Real untersteht er ab November Eckhard Cordes. Der wiederum untersteht bei Haniel seinem Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel.

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