Großbanken
UBS wechselt Deutschlandchef aus

Ständiges Stühlerücken bei der Schweizer Großbank: Jan-Christian Dreesen verlässt die UBS. Nachfolger wird Stephan Zimmermann, der von Zürich nach Frankfurt wechselt. Der Neue Mann am Main ist eine Allzweckwaffe der Großbank mit Deutschland-Erfahrung. Ein Verjüngung ist der Wechsel aber nicht: Vorgänger Dreesen ist zwölf Jahre jünger.

FRANKFURT. Das Stühlerücken bei der UBS nimmt kein Ende. Nach dem Abgang mehrerer Investmentbanker in Deutschland teilte die Schweizer Großbank gestern mit, dass auch ihr Vorstandschef in Deutschland, Jan-Christian Dreesen, am Ende dieses Monats die Bank verlässt. Ihm folgt Stephan Zimmermann, der von Zürich nach Frankfurt wechselt.

Der Neue am Main ist eine Allzweckwaffe der UBS mit Deutschland-Erfahrung. Der schlanke 53-Jährige vertrat die Bank zuletzt öffentlichkeitswirksam, als es darum ging eine Schweizer Initiative zur Stärkung des eigenen Finanzplatzes zu gründen. Das war zu einer Zeit im Herbst 2007, in der solche Vorhaben noch der Hauch von Luxus umwehte. Inzwischen wäre es ein Muss, aber die Banken, zuvorderst die UBS, haben eher mit sich selbst zu tun, als nun auch noch gemeinsame Aktionen zu starten.

Für Zimmermann blieb Zeit genug, sich neuen Aufgaben zu widmen, wobei das Nachbarland nicht zufällig in sein Visier geriet. Der gebürtige Schweizer war am Aufbau des Deutschlandgeschäfts des Schweizerischen Bankvereins maßgeblich beteiligt, einer der Vorläuferbanken der UBS. Insofern ist es für ihn auch eine Rückkehr, wenn er wieder in Frankfurt landet.

Ein Generationswechsel hin zu Jüngeren ist es jedenfalls nicht. Der scheidende Dreesen ist zwölf Jahre jünger. Der dreijährige Vertrag des Bankers mit der randlosen Brille läuft aus. Und auf eine Verlängerung konnten sich beide Seiten nicht einigen, hieß es gestern in Frankfurt. Der Norddeutsche mit dem kantigen Gesicht habe gepokert. Mit der UBS war das in Zeiten der Krise aber nicht zu machen. Fast kommt bei Beobachtern das Gefühl auf, Dreesen habe es auf eine Trennung angelegt. Sie beschreiben ihn denn auch als erleichtert, fast unbeschwert in den vergangenen Tagen. Als ob ihm eine Last von den Schultern genommen worden sei.

Auch ihm dürfte es an den Nerven gezerrt haben, wenn einmal mehr ein Millionär anrief und fragte, ob sein Geld bei der UBS sicher sei. Und Schöneres als sich gegen die Diskussion über die Fluchtburg Schweiz für deutsche Steuerflüchtlinge zu wehren, gibt es sicher auch. Zudem hat sich Dreesen allein gelassen gefühlt von Zürich, vom Mutterhaus. So etwa bei Verhandlungen mit wichtigen Leuten, die er unbedingt halten wollte, die die UBS aber wegen unattraktiver Bedingungen verließen. Mit Martin Reitz wechselte etwa der Co-Chef Investment-Banking in Deutschland zu Rothschild und Lazard schnappte sich mit Alexander Doll einen weiteren Hochkaräter.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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